Mein Freitag der 13te

Mein Freitag der 13te

17. Juli 2007, 13:50 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

Manchmal gibt es Tage, die es einfach nicht gut mit mir meinen. Mir passiert dann in kürzester Zeit soviel Mist, den andere wohl in einem halben Jahr erleben. Das hier war zum Beispiel so ein Tag/Nacht, genauso wie der vergangene Freitag, der natürlich auch noch auf einen 13ten fiel…

Mit ein paar Freunden zusammen ging es am Wochenende auf zum Melt-Festival in der Nähe von Dessau. Zwei Tage lang am Stück Indie, Rock, Elektro, Techno und HipHop am Stück, dazu vorausgesagte 35° und die Vordiplom-Prüfungen seit einem Tag aus dem Rücken - was sollte da schon schiefgehen? Naja, von wegen…

50er-Zone für 450 Kilometer

Da wir mit meinem Auto die 450km von Frankfurt nach Dessau in Angriff nahmen, war ich natürlich auch der glückliche Fahrer. 450km Autobahn, die sich als der totale Horror entpuppten: Stau, Stau und nochmals Stau. Durchschnittstempo lt. Bordcomputer: 57km/h. Fahrtzeit: Über 7(!) Stunden. Und weil das im-Stau-stehen langweilig ist, hatten meine drei Mitfahrer selbstverständlich nichts besseres zu tun, als sich vor meinen Augen tüchtig volllaufen zu lassen.

Höhepunkt der Fahrt: Eine 20minütige Diskussion, warum ich meinen Hintermann auf dem Rücksitz nicht mal kurz zum Schiffen rauslasse… Zu diesem Zeitpunkt standen wir allerdings in einem Rückstau von der Auffahrt zur A9 und da unsere Spur die einzige war, auf der es sich staute, rollten direkt neben meiner Fahrertür etliche 40-Tonner mit Tempo 80 vorbei, und auch die Spur rechts neben uns (Auffahrt zur A9 in der Gegenrichtung) war frei, sodaß der Verkehr hier floß. Viel Spaß beim Aussteigen. (Nein, ich habe natürlich niemanden Aussteigen lassen).

Endlich Melt

Nach gefühlten 100 Stunden kamen wir dann endlich an, und von da an sah es auch so aus, als ginge es steil bergauf: Top-Wetter und Temperaturen, ein guter Platz für die Zelte, lockere Leute und eine bombastische Atmosphäre samt hervorragender Musik entschädigten für die Fahrt.

Das Melt-Festival findet in Ferropolis, der Stadt aus Eisen, statt - einer Halbinsel, die mitten in einem alten Tagebergbau-Gebiet im (jetzigen) Gremminer See aufgeschüttet wurde. Auf der Insel selbst befindet sich ein Freilichtmuseeum mit stillgelegten Riesenbaggern, mit anderen Worten: Eine wirklich grandiose Kulisse für ein Festival.

Ein paar Stunden lang ging auch alles gut und ich hatte einen Mordsmäßigen Spaß unter 500 Tonnen schweren Baggern - solange bis ich verhängnisvollerweise mal eine Stange Wasser wegbringen mußte, womit das Unglück seinen Lauf nahm. Die regulären Klos waren derart überlaufen (immerhin echte Klos, keine Dixies!), daß sich sogar Unmengen an Frauen auf den Männerklos herumtrieben - aber anstehen kommt nicht in Frage, wozu ist man schließlich ein Mann?

Tear down this Wall!

Ich suchte mir also ein Fleckchen an einem der Bauzäune, die das Areal begrenzen - diese waren nicht gesichert, sondern nur lose in Betonschuhe gestellt, sodaß man sie leicht anheben und dahinter durchschlüpfen konnte. Warum also nicht, schließlich bin ich nicht mehr in der DDR und Mauern und Zäune gehören ohnehin verboten. Also nichts wie hinter den Zaun… Ein bitterbööööööhser Fehler.

Der Regen der letzten Wochen hatte den Boden völlig aufgeweicht, dazu kam der Gremminer See und der weiche Matschboden der Halbinsel, der hinter dem Zaun nicht mehr befestigt war. Drei Schritte und schon blieb beim Laufen mein Fuß im Schlamm stecken und ich schlug der Länge in den Matsch vor mir. Toll, nicht mal den ersten Abend überstanden ohne wie ein Schwein auszusehen! Ich kämpfte mich wieder hoch und tappte im Dunkeln ein paar Schritte weiter, was nun wirklich die dümmste Idee überhaupt war. Der Abhang zur Uferböschung des Sees schlichtweg nicht sehen, und es kam was kommen mußte: Ich rutsche auf dem Arsch die Böschung hinunter bis ich im Schilf des Sees zum Stehen kam.

Was für eine groteske Situation: 500 Meter hinter mir spielte gerade unüberhörbar Dizzie Rascal sein Set auf der Mainstage, während ich auf einmal in der Uferzone des Gremminer Sees eine Fangopackung genoß. Mein Handy hatte natürlich zu diesem Zeitpunkt bereits den Dienst quittiert (wenigstens war ich schlau genug, mein “gutes” Handy zuhause zu lassen, und eine uralte Gurke einzupacken - als hätt’ ich’s geahnt…!), also mußte ich zusehen, wie ich allein aus diesem Schlamassel wieder rauskam.

The great Escape

Der Weg zurück aufs Festival war leider nicht drin, da die Böschung derart steil und rutschig war, daß man dort keinesfalls hochklettern konnte - der Regen und der See hatten alles aufgeweicht.

Plan B sah vor, noch tiefer in den See vorzurücken und die verschlammte Schilf- und Uferzone schwimmenderweise zu umrunden, um an dem angrenzenden Fussweg wieder an Land zu gehen (und sich an den Zeltplatz bzw. zu den Duschen zu schleppen). Aus Rücksicht auf meine Konstitution, die Temperatur und die Tatsache, das ich nicht einschätzen konnte, wie es sich so mit Klamotten schwimmt, verwarf ich diesen Plan jedoch wieder.

Plan C schließlich schien mir ausreichend erfolgversprechend: Ein Fußmarsch quer durch das verdammte Schilf- und Sumpfgebiet.

GI Joe bahnt sich seinen Weg

Seit diesem Freitag weiß ich genau, wie sich die amerikanischen Soldaten im Vietnamkrieg gefühlt haben müssen. Es läuft sich einfach echt beschissen in so einem Gebiet - jeder Schritt strengt an und man muss echt aufpassen, daß man die Schuhe nicht verliert…

Nach gefühlten 10 Kilometern und 20 Stunden Marsch kam ich schließlich auf dem Weg zurück zu den Zeltplätzen an, wo mal wieder klar wurde, was für ein eigenes Völkchen Festivalbesucher doch sind: Ich sah aus wie ein Monster mit total verdreckten Klamotten, aber trotzdem nahm keine Sau Notiz von mir - als wäre mein Aussehen das normalste von der Welt. Wahrscheinlich hätte ich schon brennen müssen, bis mich jemand gefragt hätte, warum ich denn so aussehen würde.

Der Samstag hat dann letzten Endes doch für den Freitag entschädigt, und nach einem ausgiebigen Besuch im Hallenbad samt heißer Dusche durfte man sich auch wieder als Mensch fühlen. Ich überlege mir jedenfalls gerade schwer, ob ich mich nächstes Jahr am 13ten Freitag nicht einfach zuhause einschließe.

Snailmail

Snailmail

16. Juli 2007, 11:11 Uhr Netzfundstücke Halla

Da schau mal einer an: Die Betreiber des Marketing-Blogs haben sich mal wieder mit Grüßen gemeldet - postalisch mit einer Postkarte, ganz old-skool (ja, genau die hier). Endlich mal was anderes als immer nur Rechnungen im Briefkasten… obwohl ich ja nicht gedacht hätte, daß hier noch immer viele Leser mitlesen, die auch schon vor einem Jahr mitgelesen haben. Schließlich gab es seitdem thematisch doch einen ziemlichen Umbruch, eine längere Blogpause und eine geringere Postfrequenz.

Aber egal, vielen Dank für das Kärtchen und in diesem Sinne: Ebenfalls beste Grüße und einen schönen Tag.

Ab ins Bett

Ab ins Bett

15. Juli 2007, 22:40 Uhr Ich und mein Martyrium Halla

Keine Angst, es gibt mich noch, aber die letzten 2 Wochen hatten es wirklich in sich. Mein Studium ist mittlerweile genau zur Hälfte fertig, das heißt, ich hatte höllenviel für mein Vordiplom zu lernen und außerdem ging ein (Uni-) Projekt in eine anstrengende und zeitaufwändige Endphase - was ich im Anschluss auf dem Melt!-Festival feiern konnte, von dem ich gerade wiedergekommen bin: Zwei Tage Krawall und Remmi-Demmi.

Und jetzt will ich nur noch eines: Mein Bett. Morgen wirds Zeit, die kommenden vier Wochen zu planen, und Dinge, die einfach liegengeblieben sind, zu erledigen. Endlich.

links for 2007-07-12

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12. Juli 2007, 17:19 Uhr Daily del.icio.us Halla

Sicherheitsprobleme ab sofort verboten

Sicherheitsprobleme ab sofort verboten

10. Juli 2007, 10:43 Uhr Political correctness Halla

Eine Waffe ist eine Waffe. Man kann sie zum Angriff oder zur Verteidigung einsetzen, das kommt ganz auf denjenigen an, der sie in der Hand hat - trotzdem käme niemand auf die Idee, Waffen einfach zu verbieten. Das wäre ja auch allein deshalb schon unsinnig, weil es nur diejenigen treffen würde, die Waffen zur rechtmäßig und zur Verteidigung einsetzen (z.B. die Polizei), einen Verbrecher würde ein solches Verbot vermutlich nicht weiter intressieren.

Klingt logisch, oder?

Bereits vor einigen Tagen hat man in Berlin das “Strafrechtsänderungsgesetz zur Bekämpfung der Computerkriminalität, §202 StGB” beschlossen. Das Gesetz stellt Besitz und Benutzung von “Hackertools” unter Strafe. Klingt gut, aber umgekehrt wird ein Schuh draus: “Hackertools” sind gleichzeitig wichtige Security-Tools für Entwickler und Sicherheitsfirmen- und Experten - genauso wie Waffen auf zweierlei Art benutzt werden können, können auch diese Tools entweder so oder so eingesetzt werden.

Indem man im Schnelldurchgang kurzhand völlig sinnfrei die wichtigsten Werkzeuge für die tägliche Arbeit von Entwicklern verbietet, macht man deren Arbeit in Deutschland de facto unmöglich bzw. illegal, während wirklichen Computerkrimellen dieses Gesetzt sonstwo vorbeigehen dürfte (zumal diese ohnehin meist vom Ausland aus operieren). Schön ist die ironische Reaktion des CCC darauf:

“Per Gesetzänderung hat die Bundesregierung das Internet wieder zur Blümchenwiese gemacht. Da es keine Sicherheitsprobleme mehr gibt, brauchen wir auch keine Sicherheitswerkzeuge mehr”.

Damit hat man hat in Berlin mal wieder Gesetze erlassen, von deren Grundlagen man nicht die geringste Ahnung hat. Zur Erinnerung: Der Satz “Broswer.. was sind jetzt nochmal Browser?” stammt von Justizministerin Zypries. Mann, was wäre ich auch gern derart merkbefreit - mein Blutdruck wäre schlagartig auf Normalnull.

Wetter gut

Wetter gut

7. Juli 2007, 17:34 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

wetter.gifAprops Live Earth: Wo sind die verdammte Erderwämung und der Klimawandel, wenn man sie braucht?

Da dreht mal wieder einer am Rad

Da dreht mal wieder einer am Rad

7. Juli 2007, 17:10 Uhr Political correctness Halla

Eigentlich bin ich es leid, mich pausenlos über unseren Reichsleiter Innenminister zu echauffieren: Fast wöchentlich gibt es neue Vorstöße in Richtung Willkür- und Überwachungsstaat, die mit einer Terrorgefahr begründet werden, während Mr. Schäuble himself jegliche Zweifel und Kritik an seiner Amtsführung mit einer schier unfassbaren Arroganz und Ignoranz abbügelt.

Was ich aber gerade auf Spiegel Online lesen mußte, bringt mich wirklich in Rage:

“Man könnte beispielsweise einen Straftatbestand der Verschwörung einführen, wie in Amerika”, sagte Schäuble im Gespräch mit dem SPIEGEL. Zudem denke er darüber nach, ob es Möglichkeiten gebe, “solche Gefährder zu behandeln wie Kombattanten und zu internieren”.

Kombattanten? (Vorsorgliche) Internierung? Sind wir jetzt in Guantanamo gelandet, wo Grundgesetzt und Menschenrechte nicht mehr zählen?

Als “rechtliches Problem” bezeichnete der Innenminister auch die gezielte Tötung von Verdächtigen durch den Staat.

Wo bitte besteht dabei ein “rechtliches” Problem? Es gibt keine Todesstrafe und kein Staat der Welt sollte das Recht haben, jemanden zu töten, Punkt. Schon gar nicht, wenn es nur um “Verdächtige” geht?

Meiner Meinung nach ist Wolfgang Schäuble die größte Gefahr für unsere Demokratie  und unseren Rechtsstaat, ich halte diesem Mann für geistig nicht mehr zurechnungsfähig. Ich habe nicht die geringste Ahnung, weshalb die Kanzlöse Angela ihren Minister nicht endlich mal zurückpfeifft, wenn dieser mal wieder offen über das Aushebeln von demokratischen Grundlagen spricht. Allein dieser Mann macht es mir vollkommen unmöglich, die CDU zu wählen, selbst wenn mir jemand  eine Millionen Euro böte, und ist dafür verantwortlich, wenn ich mich demnächst durch wie ein Terrorist durch verschlüsselte E-Mails und  Festplatten vor dem Staat schützen muss, in dem ich lebe. Ganz zu schweigen davon, wie sich meine Einstellung un meine Meinung zu unseren “Volksvertretern” (mich vertritt schon lange niemand mehr in Berlin)  in den letzten Jahren geändert hat.

Not my case

Not my case

7. Juli 2007, 16:47 Uhr Derber Shit, Alter! Halla

Ich bin absolut kein Freund von Großraumdiskotheken. Ich halte sie für Überbleibsel aus den 90er Jahren, in denen sich das Landvolk mit schlechtem Style und tiefergelegten Opel Corsas samt Onkelz- oder Alpine-Aufkleber auf der Scheibe trifft, billigen Techno hört und seine Getränke über alberne Lochkarten abrechnen läßt.  Ja, ich weiß, Schubladendenken galore. Ich habs da viel lieber klein und gemütlich, weniger Noblesse, Pomp und Größe, dafür stylischer, mit angenehmerem Publikum und vorallem besserer Musik, von mir aus auch gern etwas “abgefuckter”.

Gestern abend habe ich mich zum ersten Mal seit langem wieder ins Cocoon “verirrt”, dem wohl derzeit (immer noch) bekanntesten Club in Frankfurt, und einmal mehr muss ich feststellen: Dieser Laden ist einfach eine Großraumdizze, auch wenn er -wie ein Freund von mir es ausgedrückt hat- “krampfhaft versucht, diesen Eindruck zu vermeiden”. Sven Väth höchstpersönlich stand in der Kanzel, was durchaus für eine gewisse musikalische Qualität gesorgt hat, aber trotzdem: Für meinen Geschmack einfach zu groß, zu teuer, zu überladen und vorallem zuwenig Atmosphäre und Stimmung. Daran kann (leider) auch die aufwändige Deko nichts mehr ändern…

links for 2007-07-03

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3. Juli 2007, 17:23 Uhr Daily del.icio.us Halla

Nein Danke

Nein Danke

2. Juli 2007, 16:08 Uhr Schafferei Halla

Als Designer muss man damit leben, daß die eigenen Entwürfe bisweilen vom Kunden abgelehnt werden. Nicht umsonst gibt es Angebote wie den Ideenfriedhof von Getty Images.

Meistens klingt eine Abfuhr dann ungefähr so: “Hmm… nein, das gefällt mir nicht. Was haben Sie noch, zeigen Sie mal” - und mit diesem einen Satz sind etliche Stunden Arbeit und Herzblut wieder in der Schublade verschwunden und man fängt wieder von vorn an (selbstredend entscheidet sich der Kunde im Zweifelsfall immer für den mit Abstand häßlichsten Entwurf).

So charmant wie heute ist allerdings noch nie einer meiner Entwürfe zersägt worden:

Hoffe, Du bist nicht sauer. Wenn ich Deine Gefühle verletzt habe, dann tut es mir leid.

Und ja: Der Satz stammt natürlich von einer Frau.