Die Kategorie „WG Life“

Weißt Du noch, als damals …?
Ein Rückblick auf 7 Jahre höchst chaotisches WG-Leben.

10 Beiträge in dieser Kategorie.

Scharfe Chilis

Scharfe Chilis

27. August 2006, 13:45 Uhr WG Life Halla

Unter unserer WG in Darmstadt lag damals ein netter Asia-Laden. So einer, der neben asiatischen Spezialitäten noch eine Videothek im Keller hatte und mit Hinterzimmern bestückt war - kein Wunder, daß wir wenige Tage nach dem Einzug dort auf der Matte standen und um Chilischoten baten - obwohl ich scharfes Essen nicht mal mag.

Nachdem wir dem Verkäufer mehrfach zu verstehen gegeben haben, daß für uns nur die aller- aller- aller- allerschärfsten Chilischoten in Frage kämen, nahm uns der Chinamann in eines der Hinterzimmer mit einer riesigen Gewürzwand mit. Aus einem Geheimfach im Boden des Regals zog er ein kleines Tütchen mit krebsroten Chilis, das er uns mit einem verschwörerischen asiatischen Lächeln in die Hand drückte.

Die Chilis wurden von uns sofort gemahlen und eine Tupperdose verfrachtet. Mein Mitbewohner rieb sich aus Versehen in den Augen, was ihm so einige Schmerzensschreie entlockte. Die Chilis kamen ins Regal, und ich vergaß die Sache wieder (wie gesagt: Ich mag kein scharf).

Bis zu dem Tag, als ich in die Küche kam, und irgendein vegatarisches Ratatouille meines Mitbewohners auf dem Herd vor sich hin köchelte. Mir fiel die Tupperdose mit den gemahlenen Chilis wieder ein - wenige Sekunden später befanden sich 3 große Esslöffel davon in dem Topf und ich saß wieder in meinem Zimmer am Schreibtisch. Der Schmerzensschrei, der eine Stunde später aus der Küche drang, der hatte es in sich. Als ich nachsah, hing mein Mitbewohner schwer atmend an einem Milchkarton und wünschte mich zur Hölle. Sein Ruf nach Rache begleitete mein schallendes Lachen, als ich ihn in der Küche wieder seinem Leid überließ.

Wenige Wochen später explodierte mein Mund beim Biss in ein Stück Tiefkühlpizza. Mein Mitbewohner hatte seine Drohung wahr gemacht und sich gerächt. Als meine Pizza im Ofen war, nahm er einen Teelöffel von den Chilis und packte sie an eine einzige(!) Stelle, die er dann wieder sorgfältig mit Käse aus dem Kühlschrank überdeckte. Ich hätte genausogut auch gleich einen Löffel von dem Zeug nehmen können. Als ich aufheulte, schoss er aus seinem Zimmer und stand dann lachend vor mir, während ich mich vor Schmerzen krümmte. Er hielt mir einen Milchkarton hin. Ich nahm einen tiefen Zug und - es wurde noch schlimmer! Er hatte Chilis auch in die Milch gepackt, die er mir hinhielt und ich gierig trank…

Im nachhinein rührte keiner von uns beiden die Dose mit dem Chilis mehr an und bei unserem Auszug ein halbes Jahr später wanderte sie in den Müll. Wäre es nach mir gegangen, hätten wir die Dose an den Kampfmittelräumdienst übergeben.

Satellit

Satellit

30. Juli 2006, 19:33 Uhr WG Life Halla

Und wieder eine kleine Anekdote aus meiner WG-Zeit

Irgendwann lag ich Sonntag früh mittag nachmittag im Bett, als es klopfte. Ich entschloß mich dazu, das Klopfen zu ignorieren - schließlich erwartete ich keinen Besuch, und Sonntags dürfte es kaum was offizielles sein. Stimmen an der Tür, erneutes Klopfen. Hartnäckiger Besuch. Aber ich war hartnäckiger, was das Ignorieren anging. Wenn schon, dann sollte sich doch mein Mitbewohner darum kümmern - ich war nicht zuständig, erst recht nicht in Anbetracht der Tatsache, daß ich noch im Bett lag und schlimm verkatert war. Wieder Klopfen. Hör’ mir doch auf, dachte ich mir und zog die Decke noch einen Tick höher. Plötzlich aber waren Schritte und zwei Männerstimmen zu hören. Und zwar in der Wohnung. Mein Mitbewohner war nicht aufgestanden, das hätte ich mitbekommen, zumal er auch an meinem Zimmer hätte vorbeigehen müssen, das heißt die Klopfer hatten sich Zutritt verschafft. Dazu muss man wissen, daß wir über Jahre hinweg kein funktionierendes Schloss an der Tür hatten und die Wohnung eigentlich immer offen stand. Im Grunde war das kein Problem, da es schlicht und ergreifend nichts wertvolles in der Wohnung gab (von meinem Computerzeugs mal abgesehen), was man hätte klauen können, wozu also abschließen?

Zumindest aber war nun ungebetener Besuch in der Küche, der mich dazu zwang aufzustehen und nachzusehen. Genervt zog ich eine Hose aus dem Schrank und ging in die Küche. Dort stand der Vater der Familie, die unter uns wohnte, samt einem Kumpel, einem Haufen Technik-Gelöt und einer riesigen Satellitenschüssel. Ich schätze, ich muss ziemlich blöd ausgesehen haben, denn der Vadder begann sich gleich zu erklären und zeigte wild gestikulierend auf Balkon und Satellitenschüssel. Problem dabei: Ich verstand kaum etwas. Die Familie stammte aus Eritrea, und von den Kids mal abgesehen sprach nur die Mutter radebrechendes Deutsch. Daher winkte ich ab, als mein Mitbewohner genauso verkatert wie ich aus seinem Zimmer stolperte und sich über den Auflauf in unserer Küche wunderte.

Im Grunde war mir das auch alles scheißegal - ich wollte nur ins Bett und meine Ruhe haben. Daher bat ich den Vater, den Mist mitzunehmen, wenn er fertig war mit-was-auch-immer, keine Sauerei zu machen und ging wieder schlafen/dösen.

Einige Stunden später dann stand ich auf und schleppte mich in die Küche. Der Vadder hatte Wort gehalten, und alles so verlassen, wie er es vorgefunden hatte. Abgesehen, von der riesigen Satellitenschüssel, die an unser Balkongeländer geschraubt war! Verdammt, das Ding hatte einen Durchmesser von sicher 1,50 Meter oder mehr - Klar, die wollten schließlich eritreaisches Fernsehen empfangen… Wirklich gestört hat es mich nicht, etwas irritiert war ich allerdings schon. Ganz im Gegensatz zu unserem Vermieter, der einen mittleren Tobsuchtsanfall bekam, als er die Schüssel bei der Wohnungsübergabe ein Jahr später entdeckt hat (der Typ war aber sowiso ein richtiges Arschloch).

Druck auf der Leitung

Druck auf der Leitung

15. Juli 2006, 14:31 Uhr WG Life Halla

Eine weitere WG-Geschichte, diesmal allerdings nicht aus meiner Darmstädter WG-Zeit, sondern von meiner zweiten WG, aus der ich erst vor kurzem Ausgezogen bin:

Als Mann schenkt man dem Thema “Abspritzen” naturgemäß eine gesteigerte Aufmerksamkeit, besonders im Frühling, wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht. Mein Mitbewohner und ich bildeten da keine Ausnahme als wir uns nach langem Winter unseren Balkon ansehen und beschlossen, diesen mit einem Hochdruckreiniger mal so richtig abzuspritzen und klarschiff für den bevorstehenden Sommer zu machen. Wer meine Begeisterung für Panzer, Öltanker, Bagger, Sprengstoffe und andere Dinge mit ordentlich “Bumms” kennt, der kann sich vorstellen, was ich für leuchtende Augen bei dem Wort “Hochdruck”-Reiniger bekommen habe: Ein gewaltiger Kompressor, der einen Wasserstrahl um mehrere Hundert Bar komprimiert ist eine wirklich tolle, spaßversprechende Sache. Vom Druck her verhält sich so ein Hochdruckreiniger schließlich zu einem Gartenschlauch wie ein Chinaböller zu einer Atombombe. Mit anderen Worten: Her mit dem Ding, ich will putzen!

Wir also das Gelöt auf den Balkon geschafft und angeschlossen, wo ich bereits aufgeregt und angezogen wie der Village-People Baurbeiter darauf gewartet habe. Ein Riesenspaß: Mehrere Hundert Bar machen einen ganz schönen Alarm. Kleine Steine, Erde, Dreck und aller möglicher Schmodder flog in sämtliche Richtung durch die Gegend, überall war ein dichter, fein verteilter Wasser-Sprühnebel in der Luft, dazu der Lärm des Kompressors und ein halbnackter Bauarbeiter mittendrin.

Das “Problem” dabei: Schräg unter unserem Balkon befand sich der Biergarten einer benachbarten Kneipe (hier zu erkennen), in den der ganze Wassertropen-Nebel des Hochdruckreinigers hineingedrückt wurde. Erst als während einer kurzen Pause einer der Gäste etwas genervt hochrief, wielange ich denn noch brauchen würde, es würde allmählich feucht dort unten, registrierte ich das. Ich rief zurück, daß es mir die Störung leid täte und wir aber keine andere Möglichkeit hätten, den “Unkrautvernichter” aufzubringen (natürlich haben wir nur mit Leitungswasser gereinigt, aber der Typ ging mir auf den Wecker). Es dauerte keine 30 Sekunden, und die Gäste der beiden besetzten Tische in dem Biergarten hatten aus Angst vor der (imaginären) chemischen Keule das Feld geräumt und sich unter ein Vordach verzogen. Mein kleines, dreckiges Herz lacht noch heute, wenn ich daran denke… Ich hätte vielleicht eine Gasmaske aufziehen sollen, dann wäre die Reaktion der Gäste sicher noch dramatischer ausgefallen.

Nachdem wir den Balkon durchhatten, wurde ich gerade erst richtig warm - zu sehr hatte mich der Hochdruckreiniger angetörnt. Im Innenraum der WG wäre eine gründliche Reinigung auch mal vonnöten gewesen, allerdings ließ sich das Gelöt dort schlecht einsetzen, von daher verschoben wir diese Möglichkeit zunächst. Allerdings gab es da noch die Achillesferse jeder noch so gut funktionierenden WG: Die Küche, genauer gesagt das Geschirr bzw. der Abwasch. Seit Wochen schon versuchten wir den Geschirrberg zu ignorieren, dessen unterste Schicht noch aus den Zeiten des US-Bürgerkriegs stammen mußte - was uns aufgrund der steigenden Geruchsbelästigung nur eingeschränkt gelang. Aber hey: Wozu gibt es Hochdruckreiniger?

Wir streiften uns die Gummihandschuhe an, verstauten alles Geschirr in zwei großen Klappkörben und schafften es samt der Hochdruckmaschine in den Innenhof, wo wir begannen, das Geschirr spülen. Ich sag euch: Ihr glaubt gar nicht, wie unglaublich viel Spaß man beim Spülen haben kann, wenn man es auf die Männer-Art mit einem Hochdruckreiniger macht. Schimmel und eingetrocknete Essenreste flogen in alle Richtungen und das beste: Hält man den “Spüh-”Kopf des Reinigers in ein Glas und drückt ab, klirrt es kurz und das Glas zersplittert - dabei muss man nur etwas aufpassen, damit man selbst nichts abbekommt. Auch ein Riesenspaß: Topfdeckel mit dem Hochdruckwasserstrahl quer durch Hof schießen. Übrigens gibt es tatsächlich blaue Flecken, wenn man das Ding einem Mitbewohner jemand anders auf den Arsch hält und abdrückt.

Ich hatte noch nie so einen Spaß beim Putzen und Spülen. Meiner Meinung nach gehört so ein Hochdruckreiniger in jede Küche.

Der Tag danach

Der Tag danach

11. Juli 2006, 21:55 Uhr Derber Shit, Alter! , WG Life Halla

Junge, Mensch, das war ne Party gestern. Vielen Dank an alle, die so nett in den Kommentaren gratuliert haben! Wie gesagt, ich freue mich über jedes Feedback.

Leider hat jedes rauschende Fest trotz brasilianischer Tanzcombo, nicht leerlaufenden Bier- und Weinfässern, VIP-Auflauf, und Wet-T-Shirt Contest mal ein Ende, und im allgemeinen sieht das so (oder so ähnlich) aus:

Im übrigen ist das kein Bild, das ich irgendwo im Netz gefunden habe, sondern es entstand an einem Morgen Nachmittag in der Küche meiner zweiten WG, nachdem ein Freund bei uns spontan am Abend davor seinen 30sten Geburtstag gefeiert hatte. Das rote Ding in der Mitte auf dem Tisch ist die Lampe, die irgendwann von der Decke gefallen ist. Das sieht nicht nur nach einer wilden Party aus, das war auch eine!

Da ich in der letzten Zeit in der Stimmung für Haushaltstipps bin, kommt hier einer, den ich auf dieser Party gelernt habe:
Sollte euch mal ein Gast ins Waschbecken kotzen (z.B. weil vor der Kloschüssel jemand steht, der am pinkeln ist und sein Gemächt bei dem Ausruf “Platz da, ich muss kotzen” nicht schnell in der Hose verstauen kann), dann nicht verzweifeln. Durch den engen Ablauf des Waschbeckens kann nichts abfließen (vorallem bei noch unverdauten, großen Brocken), aber da gibts eine einfache Lösung: Stöpsel zumachen und ein wenig Wasser nachlaufen lassen. Dann kommt die chemische Keule: Drano Rohrfrei Aktivgranulat, ein Abflussreiniger, der selbst Haare wegätzt. Von dem Zeug einfach eine halbe Flasche drüberstreuen, flüchten und vor der Tür ein paar Bier trinken warten. Nach ein paar Minuten ist aus den Brocken eine einzige, homogene Masse geworden, die sich problemlos runterspülen läßt - auch durch das enge Abflussrohr des Waschbeckens. Zugegeben, etwas unappetitlich, aber besser als es selbst wegmachen zu müssen ist die Methode allemal.

Naja, wird mal Zeit, aufzuräumen und das Leergut wegzubringen.

Vierkant

Vierkant

7. Juli 2006, 11:28 Uhr WG Life Halla

Die 15m2, die mein Mitbewohner und ich pro Person in unserer Darmstädter WG vor einigen Jahren jeder zur Verfügung hatten, waren knapp bemessen. Vorallem wenn man große Möbel wie Schreibtische und Betten darin unterbringen muss. Aber als begeisterte und talentierte planlose Heimwerker fanden mein Mitbewohner und ich schnell eine Lösung für dieses Dilemma: Hochbetten mußten her! Die Erfahrungen, die wir bei deren Bau machen sollten, führten wenige Wochen später geradewegs zu der Schnapsidee mit der Zwischendecke im Flur - aber das war eine andere Geschichte.

Statische Berechnungen und Pläne sind was für überängstliche Bauingenieure, daher verzichteten wir darauf uns vorher Gedanken über den Bau zu machen und fuhren stattdessen schnurstracks in den nächsten Baumarkt. Ähnlich wie beim Bau von Wolkenkratzern setzten wir ebenfalls auf ein stabiles Tägergerüst aus massiven Doppel-T-Stahlträgern 12×12cm-Vierkanthölzern, die als Meterware günstig zu haben waren. Also her den Dingern, bis das Kontolimit einen weiteren Kaufrausch verhindert. Mit 3,50m Länge waren diese Hölzer leider sehr sperrig, weswegen wir sie auf dem Dachgepäckträger des Kombis meines Mitbwohners verzurren mußten, der auch gleich das erste Opfer an den Heimwerkergott darstellte: Die Hölzer hatten ein derartiges Gewicht, daß sich Dachgepäckträger samt Dachreling(!) während des Transports vollkommen verbogen hatten. Was den Widerverkaufswert der Karre anging: Der hatte einen ebensolchen Knick erlitten wie die Dachreling, aber wayne: Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne.

Und ebendiese Späne, die mußten wir notgedrungen auch produzieren: Mit 3,50m waren die Kanthölzer zu lang und zu sperrig, um sie durch das Treppenhaus in die WG zu bekommen. Der Möglichkeit, ein Fenster anstelle der Wohnungstür zu benutzen schied ebenfalls aus, da sich direkt vor unseren Fenstern die Oberleitungen der Darmstädter Straßenbahn befanden: Wir wären entweder wegen Bahnsabotage verhaftet worden, oder von 12.000 Volt in der Leitung ohne Prozess hingerichtet worden. Also: Die Hölzer mußten an Ort und Stelle auf ein passendes Maß zurechtgesägt werden, Späne produzieren, das war das Stichwort.

Problem dabei: An “Ort und Stelle”, das hieß in unserem Fall nichts anderes als der Vorplatz der Darmstädter Stadtkirche in der Innenstadt, genau neben dem Cityring und am Eingang der Fußgängerzone (Google Maps Satellitenbild).

Mein Mitbewohner, ein Elektotechnik-Studi, dessen zweiter Name McGyver war, holte 2 Dinge aus der Wohnung: eine Kreissäge und einen Spannungswandler, mit dem wir aus der Autobatterie 220V Spannung für die Säge abzapfen konnten. Ich kümmerte mich derweil um nicht weniger nützliches Equipment: ein paar Dosen Neptun-Pilsener aus dem Penny nebenan. Derart ausgestattet konnte es losgehen mit dem zurechtsägen der Vierkanthölzer.

Ein Riesenspaß: Mitten in der Darmstädter City auf dem Kirchplatz gegen sieben Uhr abends stand nun also ein Kombi, der dort niemals parken dürfte. Mit laut aufgedrehtem Autoradio und offener Motorhaube, unter der ein paar Kabel von der Batterie zu einer Kreissäge führten. Nebendran ein Stapel Holz und eine halbe Palette Bier, der Boden fingerdick mit Holzspänen bedeckt. Und davor turnten zwei schwer arbeitende Studenten rum. Unbezahlbar: Die Reaktion der Passanten, die irgendwo zwischen Unverständnis, der Suche nach einer versteckten Kamera, Kopfschütteln und breitem Grinsen lagen.

Aber wir leben nun mal in Deutschland, und so dauerte es keine 30 Minuten, bis die Heulsusen vom Amt das Ordnungsamt vor unserem Holzarbeiter-Camp vorfuhr, uns in die Mangel nahm und mit allem möglichen Mist vollblubberte. Nicht mal das angebotene Bier wollten die nervigen freundlichen Beamten mit uns trinken. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Auto mußte vom Platz und die Kreissäge zurück in die Wohnung. Wenigstens konnten wir den Ordnungsfuzzis noch das Zugeständnis aus den Rippen leiern, die Balken per Hand zersägen zu dürfen (sonst konnten wir sie nicht in die Wohnung schaffen). Ab da wurde es dann auch verdammt anstrengend: Große Vierkanthölzer mit einem stumpfen Fuchsschwanz (einer Handsäge) zu bearbeiten, macht nicht wirklich Spaß… Und die Späne mußten wir im Anschluss daran auch noch zusammenkehren.

Aber hey: Am Ende des Tages befanden sich zwei Dutzend passend zurechtgesägte Balken in der Wohnung, die sich bald in zwei perfekt gearbeitete Hochbetten verwandeln sollten! Das Glück ist eben mit den Tüchtigen.

Im Memory of Pornomodus

Im Memory of Pornomodus

5. Juli 2006, 20:11 Uhr WG Life Halla

Für eine ausführliche WG Geschichte ist heute leider keine Zeit, da morgen eine Klausur ein Kolloqium in MultiMedia-Technik ansteht und ich noch was schaffen muss dafür. Daher billig produzierter Content in Form eines YouTube Videos (Direktlink) von meinem alten Zimmer in meiner letzten WG im Party/Pornomodus.

Freunde der Nacht und alle Mitleser die dort mit uns/mit mir gefeiert haben - was haben diese Mauern Discokugeln nicht in den letzten 5 Jahren alles gesehen: Exzesse jeglicher Art wurden dort gefeiert, Biers und noch vieles andere verhaftet und etliche Öpfer an die Partygötter erbracht - doch jetzt ist das leider vorbei. Und wer könnte dazu die passenderen Worte finden als die für immer unsterblichen Reimemonster von Advanced Chemistry:

Diese Zeiten sind nun vorbei,
und ich sag’ mit Stolz ich war dabei.
Nostalgisch schau ich entrückt,
rück’ Stück für Stück in Gedanken zurück
und es glückt - für ein paar Sekunden bin ich entzückt!

(Advanced Chemistry, Alte Schule)

Kakerlaken

Kakerlaken

16. Juni 2006, 15:48 Uhr WG Life Halla

Heute gibts wie versprochen mal wieder eine Geschichte aus meinem früheren Leben als WG-Bewohner:

Es gibt Dinge, die will man einfach nicht sehen, wenn man im Bad steht und sich die Zähne putzt. Kakerlaken gehören eindeutig in diese Kategorie. Als ich noch in meiner Darmstädter WG gewohnt habe, ist leider genau das passiert. Meinem Mitbewohner und mir war sofort klar: Da mußte was passieren. Und zwar sofort.

Da wir beide in unserer jugendlichen Unbekümmertheit große Freunde von blindem Aktionismus waren, legten wir auf der Stelle los. Die Kakerlaken hatten uns durch ihre bloße Anwesenheit den Krieg erklärt und das erwartete einen entsprechenden Gegenschlag durch uns.

Unser Plan umfasste drei Phasen:

  1. Abwehr der Insekten, bevor diese in die Wohnräume einbrechen können
  2. Aufklärung um die genaue Art der Plage
  3. Konterattacke unter Einbeziehung aller chemischen Mittel sowie einem Kammerjäger

Punkt 1 liess sich leicht umsetzen. Wir gaben unsere gesamte Bierkasse unser letztes Essengeld für den Reiniger mit den meisten Warnhinweisen auf der Flasche aus und benutzten davon beim Putzen etwa das 15fache der empfohlenen Menge pro Liter Wasser. Vorallem aber saugten wir die Sägespäne weg, die noch vom Bau der Hochbetten überall rumlagen. Von der Farbe des Bodens waren wir anschließend selbst überrascht - so hatten wir ihn nur beim Einzug gesehen…
Die Türrahmen unserer beiden Zimmer wurden rundrum mit dickem, doppelseitigen Klebeband beklebt - wasauchimmer aus Versehen da drauf trat, würde klebenbleiben. Das galt insbesondere für 6-Beiner!
Aus meiner Zeit in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft war mir auch noch der Trick bekannt, die Beine der Betten in Konservendosen zu stellen, die mit Benzin oder Verdünner gefüllt waren. Damit läßt sich Ungeziefer zurückschlagen, das einen Angriff vom Boden aus versucht und die Bettpfosten hochkrabbeln will. Und außerdem riecht das Benzin besser als der Klebstoff, den wir sonst schnüffelten ganz angenehm. Allerdings war ich zu dieser Zeit noch starker Raucher, daher erschien uns das mit dem Sprit zu risikoreich.

Phase 1 galt somit als abgeschlossen.

Phase 2 sah die taktische Aufklärung und Beweissicherung vor. Zu diesem Zweck sammelten wir Reste aus der Küche ein: Schinken, Käse, Tomaten, Zucker, Müsli, Milch und Kakao. Das alles richteten wir ansprechend in einer Art Futterkrippe auf dem Küchenboden her. Mein Mitbwohner nannte damals (2000!) bereits eine der ersten Digitalkameras sein Eigen, und eben diese Kamera richteten wir mittels Stativ so aus, daß sie die Futterkrippe immer im Blick hatte. Per Automatik schoß die Kamera dann ein Bild pro Minute - und das die ganze Nacht hindurch. Die Fotos kopierten wir dann jeden Morgen auf den WG-Server um sie im Laufe des Tages zu sichten. Auf diese Weise hofften wir ein Exemplar der Brut vor die Linse zu bekommen.

Das klappte auch. Nicht.
Meine damalige Freundin hatte bei mir geschlafen und wir saßen in der Küche beim Frühstück. Die ganze Situation mit den 6-Beinern und der Futterkrippe neben ihr auf dem Boden war ihr gar nicht geheuer und so mußte ich für jeden Besuch ihrerseits meine Überredungskünste meinen Charme und mein blendendes Aussehen in die Waagschale werfen, um sie zum mit-mir-nächtigen zu überreden. Mein Mitbewohner hatte an diesem Morgen die Kamera bereits abmontiert und stand damit im Bad, um während dem Zähneputzen einen ersten Blick auf die Aufnahmen der Nacht zu werfen. Plötzlich ein aufgeregtes Quieken, Wasserrauschen und dann flog auch schon die Tür auf. Mein Mitbewohner stürzte mit Zahnpastaresten in den Mundwinkeln auf uns zu: “Ich hab eine - das Sch**vieh war schon wieder im Bad! Hier, ich hab sie gerade auf Video bekommen!”. Sprachs, und hielt uns triumphierend die Kamera unter die Nase. Und wirklich, auf dem Display war eine dicke Kakerlake zu sehen, die quer über die Fensterbank rannte um dann in einem Mauerspalt zu verschwinden.

Meine Freundin sah das Video. Und sah die Kakerlake, die quer über ihre Zahnbürste rannte, die sie immer auf der Fensterbank deponierte und mit der sich sich nur wenige Minuten zuvor noch die Zähne geputzt hatte. Und ich sah meine Freundin. Nicht. Zumindest nicht mehr in dieser Wohnung. Das Brötchen auf dem sie gerade noch rumgekaut hatte, blieb ihr förmlich im Hals stecken (gottseidank - wer weiß, was ich mir sonst hätte anhören müssen!) und gleich darauf war mit einem angeekelten Grunzen aus der Wohnung verschwunden. Naja, wo gehobelt wird, da fallen eben Späne.

Aber immerhin hatten wir Phase 2 somit abgeschlossen.

Für Phase 3 wandten wir uns dann an einen Kammerjäger. Ehrlich gesagt hatte ich mich auf einen Typen mit Gasmaske, Kampfanzug und vielleicht einem Flammenwerfer oder sowas gefreut - wie bei Ghostbusters eben. Ich wurde bitterlich enttäuscht - es kam ein vollkommen unspektakulärer Typ, der in der ganzen Wohnung kleine Pappschachteln verteilte mit Lockstoffen und Gift verteilte. Laaaaaaaaaangweilig. Ich weiß nicht mal, ob der ganze Aufriss was gebracht hat. Einen Monat später brach ich nämlich mein Studium ab, und wir zogen aus.

Zu unserer Ehrenrettung muss ich sagen, daß nicht etwa unsere chaotischen Wohnverhältnisse in der WG an dem Ungeziefer schuld waren. Das lag vielmehr an dem chinesischen Restaurant, das in dem Haus direkt unter unserer Wohnung lag, und das ebenfalls bei dem Kammerjäger Stammkunde war. Das habe ich aber meiner damaligen Freundin nie erzählt. Dort gab es nämlich für lausige 11 DM (Deutsche Mark, für die jungen Leser. Das war das, was vor dem Euro war) ein All-you-can-eat-Buffet, das wir häufiger heimgesucht hatten und auf das ich nicht verzichten wollte…

Die Zwischendecke

Die Zwischendecke

6. Juni 2006, 22:38 Uhr WG Life Halla

Mit dem heutigen Tage ist mein stressiger Auszug aus meiner letzten WG endgültig erledigt - meinen Vermieter werde ich hoffentlich nie mehr wieder sehen.

Daher nehme ich dieses “Ereignis” zum Anlass, wie versprochen mal wieder ein Anekdötchen aus meinem WG Leben zum Besten zu geben:

2000/2001 war ich wahnsinnig genug, ein Chemiestudium zu beginnen. Prof. Dr. Daniel Halla, Entdecker der Krebsheilung, und so weiter halt. Genau zwei lausige Semester hat es gedauert, bis ich mich mit einem abgebrochenen Studium auf dem Boden der Realität widerfand. Im Zuge dieses Studiums bin ich mit einem Freund nach Darmstadt in eine Wohnung gezogen. Die Zimmer waren nicht groß, und da wir beide handwerklich nicht unbegabt sind, haben wir uns aus 12*12cm starken Kanthölzern ordentliche Hochbetten gebaut. Eines Abends saßen wir zusammen und haben kästenweise Bier gelitert ein oder zwei Bierchen verhaftet als uns eine blendende Idee kam: Wir bauen aus den restlichen Kanthölzern eine Zwischendecke in den Flur der Wohnung ein!! Der Flur war extrem lang und stellte unserer Meinung nach nur ungenutzten Raum dar. Außerdem hatten wir kein Wohnzimmer - was also lag näher als dort noch eine Decke reinzuzimmern, auf der man obendrauf rumhängen und untendrunter durchlaufen kann (sieht man mal vom Vermieter ab, der von solchen baulichen Veränderungen vielleicht weniger begeistert wäre als wir).

Gesagt, getan. Die Kanthölzer (d.h. viereckige Holzbalken) lagen im Flur, schwere Stahlwinkel um sie anzubringen ebenfalls. Eine Kreissäge und einen elektropneumatischen Bohrhammer (sic!) hatten wir noch vom Bettenbau, genauso wie ausreichend Dübel und Spax-Schrauben. Ein Bierchen fand sich auch im Kühlschrank. Mit anderen Worten: Es konnte losgehen!

Die Deckenhöhe betrug 2,40m, den Boden wollten wir auf einer Höhe von 1,70m einziehen. Dann hätte man bei eingezogenem Kopf genug Platz um drunter durchzulaufen und ausreichend Platz um obendrauf im Sitzen rumzugammeln. (Schnapsidee, ich weiß…) Alle 2 Meter sollte ein Kantholz quer mit der Flurwand verspaxt werden, darauf wollten wir dann die Bodenfläche mit Holzbohlen bauen.

Das erste Kantholz war schnell zugeschnitten und mit den Stahlwinkeln in die Wand gespaxt - hielt bombenfest. Gerade als wir die Bohrungen für die Stahlwinkel des zweiten Querbalken setzen wollten, klingelte es und unser Nachbar stand vor der Tür. Er war stinksauer und hat uns energisch jeglichen Verstand abgesprochen. Leider war es nämlich schon 1 Uhr nachts…. Was uns einfiele um diese Zeit mit einem Bohrhammer in die Wand zu bohren. Rückblickend muss ich sagen, daß er vielleicht recht hatte. Nach Mitternacht sollte man keine Löcher mehr bohren, wenn man Nachbarn hat. Schon gar nicht mit einem Bohrhammer. Ich glaube, neben mir zu wohnen macht keinen Spaß.

Egal - wir haben in dieser Nacht die Arbeiten an der Zwischendecke auf den nächsten Morgen verschoben um uns Auseinandersetzungen physischer Natur mit unserem Nachbarn zu ersparen.

Tja… nur am nächsten Morgen waren wir beide vollkommen verkatert erschöpft von der harten Arbeit in der Nacht davor. Und auch die Idee mit der Zwischendecke im Flur erschien uns plötzlich gar nicht mehr so brillant wie noch vor wenigen Stunden. Nur: Mit 1,70 Meter exakt auf Augenhöhe, hing über die volle Flurbreite der massive, armdicke Querträger den wir nachts angespaxt hatten, bevor wir den Nachbarn geweckt haben der Nachbar uns unterbrach.

Zu faul, den Balken wieder abzuschrauben und erst recht zu demotiviert die Decke fertig zu bauen, hing dieses Sch**-Ding quer im Flur bis wir aus der Wohnung wieder ausgezogen sind. Nachdem jeder von uns beiden mindestens 5mal dagegen gelaufen ist, wußten wir blind, wann wir uns ducken mußten: Nicht so Freunde von uns, die uns aufgrund dieses Balkens für völlig bescheuert erklärt haben. Das Geräusch, wenn ein Kopf gegen das Holz knallt, verbunden mit dem anschließenden Gefluche werde ich wohl nie vergessen - allein die Erinnerung daran bringt mich zum Lachen…. Nur die Frage: “Warum habt ihr mitten im Flur einen Holzbalken hängen?” konnte ich irgendwann nicht mehr hören. Als ob man da nicht von selbst drauf kommen kann.

Fischsuppe

Fischsuppe

4. Juni 2006, 17:15 Uhr Erzähls der Parkuhr , WG Life Halla

Sonntag vormittag vor ein paar Jahren, irgendwann zwischen 13 und 14 Uhr. Ich werde auf meiner Couch wach. Keine Ahnung, warum ich nicht gleich ins Bett gegangen bin, vermutlich wollte ich mich noch kurz ausruhen und bin dabei eingenickt. Am Abend davor sind wir durch irgendwelche Frankfurter Clubs gezogen bis es hell wurde und wir in der am Ende in der Vinylbar versackt sind, so genau weiß ich das nicht mehr. Ist wie gesagt schon ein paar Jahre her.

Auf jeden Fall werde ich von mehr oder weniger leiser Housemusik geweckt, der in der Küche läuft. Dazu merkwürdige Geräusche, die ich nicht zuordnen kann. Also Aufstehen und Nachsehen. Als ich meine Zimmertür öffne, wird es duster. In der Küche sind die Rolläden unten und Licht kommt nur durch irgendwelche Ritzen gekrochen. Einer meiner Mitbewohner steht vor unserem großen Aquarium im Flur (vielleicht 500 oder 1000 Liter?). In der Hand ein großer Schöpflöffel aus der Küche, mit dem er wie wild um Aquarium rumrührt.

Ich meine, wie absurd kann eine Situation noch sein: Sonntag vormittag, die Wohnung dunkel und im Flur steht einer meiner verfeierten Mitbewohner, hört Musik und rührt hochkonzentriert unser Aquarium mit einem Suppenlöffel um. Auf meine Frage, welchen Sinn das hat, bekomme ich nur ein lapidares “Ich kann nicht schlafen” zu hören. Na schön. Probiers mal mit heißer Milch und Honig, aber lass die Fische in Ruhe, denke ich mir.

Plötzlich fliegt eine andere Zimmertür auf und mein dritter Mitbewohner stapft mit tiefen Augenringen in die Küche, greift sich die (Musik-)Anlage, brummt irgendwas mit “Mach’ die verd*** Sch*** aus, hier kann ja kein Mensch pennen” und verschwindet wieder samt Anlage unterm Arm in sein Zimmer. Kein Wort dazu, daß da jemand in unserem Aquarium mit einem Suppenlöffen rumrührt. Oder die Wohnung verdunkelt ist.

Der ganz normale WG-Wahnsinn also. Ich gehe kurz schiffen, wünsche meinem Mitbewohner am Suppenlöffel noch viel Spaß und leg’ mich wieder hin….

Ende der Pubertaet

Ende der Pubertaet

3. Juni 2006, 22:24 Uhr Ich und mein Martyrium , WG Life Halla

Über 7 Jahre WG-Leben in 2 Wohnungen mit insgesamt 5 verschiedenen Mitbewohnern. Und jetzt der Schritt zur ersten eigenen Wohnung. Ganz allein. Ohne Mitbewohner. Man sagt, daß Männer von der Pubertät direkt in die Midlife-Crisis stolpern und das es dazwischen keine weitere Phase gibt. Wenn das stimmt, dann ist es für mich wohl an der Zeit, der Pubertät zu entfliehen und erwachsen zu werden. Eine Tatsache, die man bei Amazon bereits erkannt hat und in deren Folge man mir adäquate Bücher empfiehlt.

Als Hommage an die alte WG werde ich in unregelmäßigen Abständen die eine oder andere lustige Geschichte aus dieser Zeit hier im Blog zum besten geben, schließlich gibt es keine Exzess, den die damaligen vier Wände nicht gesehen hätten - ich habe da schon so ein paar im Kopf… Freut euch drauf, das werden ein paar Schenkelklopper, ich sachs euch! Gude Laune. Alter.