Nein Danke
2. Juli 2007, 16:08 Uhr
Schafferei
Halla
Als Designer muss man damit leben, daß die eigenen Entwürfe bisweilen vom Kunden abgelehnt werden. Nicht umsonst gibt es Angebote wie den Ideenfriedhof von Getty Images.
Meistens klingt eine Abfuhr dann ungefähr so: “Hmm… nein, das gefällt mir nicht. Was haben Sie noch, zeigen Sie mal” - und mit diesem einen Satz sind etliche Stunden Arbeit und Herzblut wieder in der Schublade verschwunden und man fängt wieder von vorn an (selbstredend entscheidet sich der Kunde im Zweifelsfall immer für den mit Abstand häßlichsten Entwurf).
So charmant wie heute ist allerdings noch nie einer meiner Entwürfe zersägt worden:
Hoffe, Du bist nicht sauer. Wenn ich Deine Gefühle verletzt habe, dann tut es mir leid.
Und ja: Der Satz stammt natürlich von einer Frau.
Von hinten durchs Knie
7. Mai 2007, 11:21 Uhr
Schafferei
Halla
Manchmal weiß man schon vorher, wenn etwas schiefgeht: Ich arbeite schon seit längerem nebenbei an einem Auftrag für eine Kundin, die zwar ziemlich beratungsresistent ist, aber sehr gut zahlt.
Deren Website ist jetzt fertig, lediglich Korrekturen an Texten fehlen noch. Die Notwendigkeit eines CMS oder Redaktionssystems sah die Kundin nicht, daher muss das jetzt alles händisch geschehen. Diese Korrekturen traut sich die Kundin selbst zu - scheitert aber bereits am FTP-Zugriff auf die Dateien.
Die Lösung (wie könnte es anders sein…?): Die gesamte Seite auf eine CD brennen und auf dem Postweg an die Kundin schicken, sie macht dann die Korrekturen, brennt wieder eine CD, schickt diese an mich zurück und ich lade dann alles wieder per FTP hoch. Umständlicher gehts nicht mehr - mal ganz davon abgesehen, dass die Seite von CD ohnehin nicht lauffähig ist, da alle Pfadangaben absolut sind und außerdem eine PHP-Implementierung vorgesehen ist.
Rollentausch
26. April 2007, 00:49 Uhr
Schafferei
Halla
Von den Agenturen, die ich wegen eines Praktikums angeschrieben hatte, hat sich schon nach wenigen Tagen diejenige gemeldet, mit der ich bereits in meiner Prä-Studizeit als Festangestellter zusammengearbeitet habe - damals allerdings natürlich auf Kundenseite.
Eine etwas ungewohnte Situation: Über Jahre saß ich als Mitarbeiter des Kunden (aka Geldgeber) hinweg mit der Agentur am Tisch, folglich konnte ich nach Herzenslust rumfrotzeln, ab und an auch mal dumme Sprüche reißen oder mit heraushängenden Hemd aufkreuzen, was mir schlimmstenfalls einen tadelnden Blick der Kollegen einbrachte.
Nun war aber genau dieser damalige Ansprechpartner in der Agentur derjenige (bzw. diejenige) die auch mein Bewerbungsgespräch führte. Selber Raum, selber Gesprächspartner wie früher - nur eben eine vollkommen andere Situation: Vom Geldgeber zum Bittsteller sozusagen. Dumme Sprüche oder schnoddrige Kommentare sollte man sich dabei tunlichst verkneifen, und auch das Hemd in der Hose zu tragen verschafft einem durchaus einen gewissen Vorteil…
Aber offensichtlich hat der Rollentausch einigermaßen geklappt: Nach einem etwa einstündigen Gespräch bot man mir einen Praktikumsplatz an. Sic! Vitamin B funktioniert einfach am besten.
Der Praktikant Teil 1
23. April 2007, 14:19 Uhr
Schafferei
Halla
Teil meines Studiums ist auch ein 6-monatiges bzw. einsemestriges Industrie-Praktikum im kommenden Wintersemester. Zwar bin ich offiziell davon befreit (so ganz ohne Praxis hab ich die 26 Jahre vor dem Studium ja schließlich auch nicht verbracht), aber aufgrund der “Beschaffenheit” eines FH-Studiengangs bringt mir diese Lücke keinen Zeitvorteil (sodaß ich etwa 6 Monate früher fertig sein könnte), sondern nur eine Zwangspause.
Was also mit der Zeit im Wintersemester anfangen? Ausland? Freiwilliges Praktika? Rumgammeln? Arbeiten gehen? Meine bevorzugte Alternative den Winter in Kitzbühl als Skilehrer zu verbringen, schied von vorneherein aus: Ich kann nicht Skifahren. Ausland? Auch nicht schlecht, kostet aber zuviel Geld und ich habe zwar keine Familie aber wenigstens doch ein Auto und eine Wohnung zu unterhalten. Rumgammeln? Im Sommer gern - im Winter eher nicht so, ich würde dabei entweder Alkoholiker werden oder die Zimmerdecke könnte mich erschlagen.
Bleibt also noch das Praktikum auf freiwilliger Basis. Als Medienschlampe ohnehin etwas, woran man sich wohl besser früh als spät gewöhnt. Aber auch eine schöne Gelegenheit, sich mal eine Agentur von innen anzusehen. Zwar habe ich schon häufiger mit selbigen gearbeitet, aber eben nur als Kunde, nicht als Anbieter der Dienstleistung.
Vor zwei Wochen habe mich daher blind bei den 6 besten “Full-Service” Agenturen im Frankfurter Raum beworben (eine kleine Klitsche kommt mir von vorneherein nicht in Frage), und jetzt bin ich mal gespannt, wie das so laufen wird. Über den Verlauf der Jobsuche werde ich hier immer mal wieder berichten.
Eine erste Feststellung gibts vorweg: So wie Ärzte selbst die schlechtesten Patienten sind, verhält es sich auch mit den Agenturen. Deren Websites sehen durch die Bank weg gräßlich aus und sind technisch größtenteils völlig veraltet. Da wird mit Denglischen Begriffen nur so um sich geworfen, die Kundenliste liest sich wie ein Who’s Who der DAX-Konzerne und die Grimme- oder Cannes Cyberlions Awards reihen sich aneinander, aber die eigene Seite sieht aus wie das letzte Kackfass von 1990. Aber gut, solange die Kundenwebsites besser werden…
Stay Tuned.
Spass am Job
14. März 2007, 20:03 Uhr
Schafferei
Halla
Es gibt schon echt miese Jobs. Z.b. wenn man einen Stapel von 20.000 Blatt Papier vorgesetzt bekommt und alle 6 Blätter ein blaues Trennblatt dazwischen schieben soll.

Bevor jemand Mitleid bekommt: Ich war nicht derjenige, dem dieses Los zuteil wurde - gottseidank! Allerdings erntete ich auch böse Blicke, als ich fragte, warum man diesen Job nicht nach Pakistan verlagern würde….
Eskorte
8. Oktober 2006, 20:36 Uhr
Schafferei
Halla
Ohne Internet kein Sex (oder nein, halt, umgekehrt). Diese Weisheit bewahrheitet sich nicht erst seit “One Night in Paris” sondern bereits seit den Anfängen des Netzes. So war es nur eine Frage der Zeit, bis auch ich als Netizen damit in Berührung komme. Nicht als Konsument (natürlich!), sondern als “Macher” sozusagen.
Eine (seriöse!) Agentur, mit der ich schon ein paar Mal zusammen arbeitete, bat mich um eine Aufwandsschätzung für eine Kleinigkeit. Es ging um den Einbau des Lightbox-Scripts in eine bestehende Website. Nicht weiter erwähenswert, wäre der Kunde nicht ein “Eskortservice” und das Lightbox-Script für die adäquate Präsentation der Girls Angestellten bestimmt. Eskortservice ist in diesem Fall übrigens nicht mißzuverstehen - die Mädels werden im einschlägigen Schemata beschrieben (”Mandy, süße 22 Jahre, AV,GV,ZK möglich”, etc.), es ist also klar, wie der Hase läuft.
Aber was solls - Geld stinkt bekanntlich nicht, und man(n) ist schließlich Profi. Daher verkniff ich mir auch die Frage, ob ich mich in Naturalien bezahlen lassen kann.
Ich bin raus
23. September 2005, 16:46 Uhr
Lernerei , Schafferei
Halla
Die letzten fünf Jahre: Arbeit.
Die nächsten fünf Jahre, ab Montag: Student.
Ab jetzt. Macht’s gut und Danke für den Fisch.
2 days to Go
22. September 2005, 10:38 Uhr
Schafferei
Halla
Schon ein komisches Gefühl - heute mein vorletzter Tag in der Firma nach fünf Jahren. Meine Dokumentation ist fertig geschrieben, die Arbeit ist übergeben und am Montag werde ich schon in den ersten Uni-Vorkursen sitzen. Ich bin gerade dabei meinen Schreibtisch auszuräumen (will jemand einen Christstollen von 2003? Den kann man noch essen, wenn man ihn in Kaffee tunkt!) und muss nur noch ein paar persönliche Daten löschen, dann habe ich de facto meine Zelte hier abgebrochen.
Für morgen heißt es dann nur noch meinen Ausstand organisieren, und dann wars das. 80 Brötchen, 30 Laugenstangen und 25 Stückchen/Teilchen, dazu ein Kasten Prosecco und ein Kasten Bier. Auch wenn die EDV traditionell verfressener (und versoffener feier-freundlicher) ist als andere Abteilungen, muss das reichen.
Aber jetzt wo ich eh bald weg bin, kann man ja nochmal so richtig losholzen. So ergab sich gerade folgender Dialog
-”Ich geh in der Mittagspause einkaufen. Ich brauch Kopfschmerztabletten.”
-”Willst Du Aspirin? Hab welche in der Schublade.”
- “Ne, nicht für mich, sondern für meine Frau wegen unserem Urlaub”
- “Verstehe - damit sie auch ja keine Ausrede mehr hat…”
5 Days to go
19. September 2005, 09:11 Uhr
Schafferei
Halla
Nur noch fünf Tage in der Firma. Nach fünf Jahren. Komisches Gefühl. Als ich heute morgen hierher gelaufen bin, habe ich mir erstmal meinen Studi-Ausweis angesehen und so langsam dämmert es mir, worauf ich mich da eingelassen haben könnte…
Das Beste am Arbeiten waren immer die Freitage. Eine Stunde früher Schluß als sonst und das Wochenende vor der Tür. Ich hoffe, sowas gibts als Studi auch noch.
Wir sind hier nicht in Seattle, Dirk
14. September 2005, 15:30 Uhr
Schafferei
Halla
Folgende Situation:
Eine Firma mit einer großen IT-Abteilung hat über die Jahre hinweg jede Menge älteres, aber durchaus noch brauchbares Equipment angesammelt. PIII-Desktops, CRT-Monitore ab 17″, Notebooks, Laserdrucker, Mäuse, Tastaturen, Router und Switches, was halt so anfällt. Man überlegt sich, was man damit anfängt, da das IT Lager langsam voll ist. Und hat eine Idee: Man verkauft die Geräte einfach günstig an intressierte Mitarbeiter, Abnehmer dazu fänden sich reihenweise.
Um alles möglichst gerecht unters Volk zu bringen, wählt man eine zeitgemäße Verkaufsmethode: Die Auktion.
Die Auktionen sollen intern über das Intranet der Firma abgewickelt werden, also bekommt ein junger, dynamischer Entwickler die Aufgabe eine entsprechende Applikation zu programmieren. Schickes Backend mit integrierter After-Sales Abwicklung, Bild-Upload und -Resizing Option, Agentengeboten, Benutzerverwaltung basierend auf dem Firmeneigenen LDAP, alles sauber OOP gecodet und fein dokumentiert. Nach 4 Wochen stand die Laube, war getestet und bestückt mit Artikeln und sollte scharf geschaltet werden.
Aber wir sind hier nicht in Seattle, Dirk. Wir sind in Deutschland. Und hier läuft nix “einfach mal so”.
Die FiBu (Finanzbuchhaltung aka. Steuerfritzen) und die Juristen schalten sich ein:
- Jeder verkaufte Artikel muss mit Gerätenummer, exakter Typenbezeichnung und einer Beschreibung des Zustands an die FiBu gemeldet werden, da der Artikel vom Anlagevermögen des Unternehmens abgezogen werden muss und damit die “Steuersituation” ändert.
- Da der Verkauf innerhalb der Firma stattfindet, muss von jedem Artikel der exakte Marktwert auf dem “freien Markt” ermittelt werden. Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und dem Marktwert muss ermittelt werden, und diese Differenz wird als Geldwerter Vorteil versteuert.
- Da die Firma (Unternehmen) an Mitarbeiter (Privatkunden) verkauft, muss die Firma ein Jahr Gewährleistung leisten. Auch bei 3 Jahre alten Druckern, die für 10 Euro gekauft werden. Auch wenn der Käufer einwilligen würde, auf die Gewährleistung zu verzichten.
- Alle Rechnungen müssen mehrere Jahre archiviert werden und dem Finanzamt zur Verfügung stehen.
Wohlgemerkt, es geht hier nicht um den Verkauf von Mainframes oder Atomanlagen, sondern von Büroelektronik mit Preisen zwischen 5 und 50 Euro an die eigenen Mitarbeiter. Rein Intern.
Naja, jetzt wurde alles abgeblasen, die Zeit des Entwicklers war für die Katz’, die Geräte werden verschrottet. Ach ja, der Entwickler war übrigens ich, die Firma der Laden in dem ich (noch) arbeite.