Das Justice die Platte des Jahres gemacht haben, ist mal gar keine Frage. Erschienen ist selbige beim Ed-Banger Label, dessen Cheffe kein geringerer als der Manager von Daft Punk, Pedro Winter, ist. Das De:Bug Magazin hat ein Interview mit ihm geführt, in dem er diesen denkwürdigen Satz zum Besten gab:
Rock’n'Roll macht Sinn in einem vollkommen elektronischen Kontext.
Nehmen wir mal die Jungs von Justice, die sind 25, wenn die nicht dauernd besoffen wären, heiße Frauen abschleppen würden und die Nacht zum Tag machen, die würden doch ihre Ehre verlieren.
Nicht nur Pärchen haben “ihre Lieder”. Wenn ich mein iTunes durchschaue, muss ich feststellen, daß sowas durchaus für alle Lebensbereiche gilt und es Musik gibt, mit der ich wohl lebenslang untrennbar Bilder, Emotionen und Assoziationen verbinde. Ein Beispiel gefällig?
Fünf Sterne Deluxe - Dein Herz schlägt schneller
Als ich diesen Track zum ersten Mal gehört habe, saß ich bei einem Freund im Garten am Lagerfeuer. Ein Kumpel tanzte um das Lagerfeuer, daß wir gemacht hatten, und freute sich über genau diesen Track. Ein halbes Jahr später sollte ich mein Abi machen - und aus allen Autoradios orgeln die Fünf Sterne.
Justin Timberlake - Rock your Body
Ok, Chartmusik, zugegeben. Aber Justin Timberlake hat mit diesem Track den Boodyshaker schlechthin hingeknallt. Selbst ich muss dazu tanzen… (und das tue ich i.A. eher selten). Eine paar Jahre lang lief das Ding in einem von mir hochgeschätzten Club wirklich rauf und runter. Zu recht.
Nivana - Smells likeTeen Spirit
Nirvana. Die 90er. Noch Fragen? Entweder man stand auf Nirvana oder Techno, der damals noch auf großen “Raves” wie der Mayday zelebriert wurde. Ich für meinen Teil entschied mich für Nirvana, zog mir ein Holzfällerhemd über, ließ mich beim “Tanzen” herumschubsen und nahm eine negative Grundhaltung gegenüber dem Leben an. Bis auf das Holzfällerhemd hat sich bis heute nichts daran geändert.
Fettes Brot - Jein
“Es ist 19-96 / meine Freundin ist weg und bräunt sich / in der Südsee / Allein? / Ja, mein Budget war klein / Na Fein! / Herein! / Willkommen im Verein. […] Wenn ich die stummen Blicke schicke / sie wie Rummenigge kicke […] Na Kleiner, haste Bock auf Schweinerei?”
Es gibt kein anderes Lied, dessen Text ich derart reflexartig mitsingen muss. Ebenfalls aus der Abizeit…
Seeed - Papa Noah
Freshness. Urlaub. Sonne. Rastas. Bass. Seeed.
Vor fünf oder sechs Jahren war ich mit zwei Freunden in Frankreich an der Atlantikküste im Urlaub. Als wir auf der Suche nachen einem Campingplatz im sonnenverbrannten, vertrockneten Hinterland der Küste vor Mimizan Plage cruisten, lief das Ding in Heavy Rotation im Auto während ich versucht habe, etwas kühle Luft durch das ausgestellte Fenster anzusaugen. Ebenfalls denkwürdig: Seeed live auf dem Hurricane-Festival 2003. Die Band spielt, wir stehen völlig entspannt weit hinten in Reichweite eines Bierwagens während die Sonne langsam untergeht und mit Seeed zusammen eine wilde Festivalnacht einläutet…
Curtis Mayfield - Move on up Der 70er Funk-Dauerbrenner. Die ersten paar Takte des Tracks sind markant wie nichts anderes, und der Track ist einfach gute Laune pur. Ein (ehemaliger) Mitbewohner und sehr guter Freund von mir kam bei keiner Party um Curtis Mayfield herum - zurecht. Und so kann ich mich auch an keine Party zwischen 2002 und 2005 erinnern, bei der nicht mindestens einmal Curtis Mayfield gelaufen wäre…
Bigger than Hip Hop - Dead Prez
Das Splash Festival 2002. Samstag morgen mittag, alle werden lebendig und kriechen langsam aus den Zelten. Von der Bühne, die sich in geschätzten 2km Entfernung befindet, hört man nichts. Abgesehen von den ebenso mächtigen wie brachialen Dead Prez-Bässen, die über den Zeltplatz wabbern.
All Saints - Pure Shores
Noch so ein Popper-Ding, genau wie Justin Timberlakes “Rock your Body”. Aber es ist gut. Mein langjähriger WG-Mitbewohner hat das Ding damals rauf- und rutergehört, wohl nicht zuletzt weil er ein riesiger Thailand- und “The Beach”-Fan war. Mir blieb nichts anderes übrig, als mitzuhören. Und mittlerweile liebe ich das Lied…
The Ataris - Boys of Summer Die rockige Version der Ataris von Don Henyleys Orginal. Ende 2003 war ich für einige Wochen in Australien und dieser Track war wohl einer der Lieblingstracks der australischen Radio-DJs. Zumindest lief das Ding im Radio rauf und runter während ich mit meinem Kleinbus 3000km den Cook-Highway von Cairns nach Byron Bay fuhr und mir am rechten Arm einen Sonnenbrand einfing (Australien hat Linksverkehr, daher hing mein rechter Arm immer zum dem Fenster raus….)
Allen diesen Interpreten ist es gelungen, etwas zu schaffen, daß mich begleiten wird, bis ich 60 bin (wenn ich überhaupt so alt werde - bei meinem Lebenswandel bin ich mir da nicht so sicher) . Persönliche Erinnerungen und Bilder die untrennbar mit der Musik verknüpft sind (das schaffen normalerweise nicht mal Frauen). Danke dafür!
Ich halte CD’s für überteuert, man bekommt einfach nicht genug fürs Geld, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt nicht (Nein, keine Angst, ausnahmsweise gehts nicht um das übliche Musk-Industrie-Bashing)
Am Wochenende hatte ich genau darüber eine Diskussion mit einem der Jungs von Wagner Love: Wie könnte man ein Album auf CD wieder attraktiver machen, sodaß man als Fan mit einem guten Gefühl 12-15 Euro dafür ausgibt?
Ein paar Vorschläge:
Ein Booklet mit schöner Cover-Art und viel Inhalt: Hintergrundinfos zur Entstehung des Albums, Texte, Fotos, vielleicht auch Autogrammkarten oder exklusive Poster (sofern es zur Zielgruppe paßt). Ein Pappeinleger, in dem im wesentlichen nur die Produzenten genannt werden und das über die Urheberrechte aufklärt, ist nicht akzeptabel.
Kein Kopierschutz: Wenn ich eine CD kaufe, dann will ich sie nicht nur über die Stereoanlage hören, sondern auch als MP3 in mein iTunes bzw. auf meinen iPod importieren oder mir eine Kopie für den CD Player im Auto machen können. Sollte eigentlich selbstverständlich sein…
Goodies, wie z.B. verbilligte Konzertkarten für Albenkäufer: Wer sich als Fan ein Album kauft, wird auch auf ein Konzert gehen wollen und den Rabatt durch den Albumkauf nutzen.
Einziger Nachteil dabei: Die Erlöse aus Tourneen bzw. von Auftritten gehen ohne Umwege an die Künstler selbst und stellen (im Gegensatz zum Albenverkauf) eine nicht unwesentliche Einnahmequelle dar. Mit den Eintrittsgeldern supportet man also nicht die Betonköpfe beim Label, sondern diejenigen, die man wirklich supporten will. Hier müßte also ein entsprechender Verdienstausfall der Künstler durch die Labels kompensiert werden.
Eine andere Idee: Ein Gewinnspiel oder eine Art “Los” im Booklet, bei dem Backstage-Pässe, Meet’n'Greets usw. zu gewinnen sind.
Videos: Musikvideos, Making-Of’s, Behind-the-Scenes, Mitschnitte von Live-Auftritten usw. Findet man ja schon bereits öfter.
Sicher nicht der Weisheit letzter Schuss, aber zumindest ist es ein Ansatz.
Falls euch noch mehr einfällt: Ab in die Kommentare damit.
Mein Mitstreiter und Freund Jan hat für den Rotari Klub die Jungs von Wagner Love ein schönes Video als Teaser für ein hoffentlich bald folgendendes “echtes” Video produziert. Jan könnte es auch selbst hier posten, aber vermutlich liegt ihm die Selbstbeweihräucherung einfach nicht. Daher mach’ ich das mal, hatte das ohnehin schon lange in den Entwürfen für neue Beiträge stehen.
Soweit ist es schon gekommen: Mit Kumpels unterhält man sich hier und da mal spaßeshalber übers Heiraten - vor ein paar Jahren war das noch ein Tabuthema wie Hodenkrebs. Immerhin wünscht er sich anstelle eines spießigen Alleinunterhalters Mother Tongue als musikalische Begleitung.
Die Frage ist nur: Was nehmen die Brüder als Gage für einen Auftritt? Bliebe das im Budget?
Keine Ahnung - aber ich könnte ihm stattdessen Monster Magnet empfehlen. Vom Namen her geben sich beide nicht viel und dank der obligaten, legendären Monster Magnet Gogos wüßte er auch gleich, was er künftig verpaßt. Gibts für schlappe 15-20.000$ Gage am Abend.
Als Halb-Schweizer mitten in Deutschland die Mucke einer Band aus L.A., USA mit einem Album namens “Switzerland” und dem Titel “Germans in Mexico” zu hören, die sich über Frankreichs WM-Mannschaft lustig machen, das entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Ich habe keine Ahnung, ob das folgende Video von irgendeinem Fan gebastelt wurde oder direkt von den Simpsons Machern stammt. So wie es aussieht, könnte aus irgendeiner neuen, noch nicht gesendeten Staffel sein? Auf jeden Fall ist es immer wieder großartig, wenn die Simpsons mit irgendwelchen Dingen aus dem “realen” Leben gemischt werden, in diesem Fall mit dem “Hardest Button to Button”-Video der White Stripes.
So, das wars mit “Rotari Klub“, einer jungen, aufstrebenden Frankfurter (Pop-)Band. Aus und vorbei ist die Zeit des Klubs. Wenn ich richtig informiert bin, hat es mit dem langersehnten Plattenvertrag endlich geklappt, wobei leider der Bandname dran glauben mußte - zu groß war die Ähnlichkeit mit dem “Rotary Club“.
Der neue Name lautet -Trommelwirbel- “Wagner Love”. Klingt komisch, ist aber so. Zitat eine Bandmitglieds dazu:
“Mir gefällt der Name, weil man sich ersteinmal überhaupt nichts vorstellen kann und dann ganz langsam irgendwelche absurden Assoziationen kommen”
Assoziationen? Hmm.. Wagner Pizza, eine Band mit Wagner-Opern-mäßigen gelockten Perücken, die Army of Lovers oder ein Opern Opa-Fanclub, der Besitzer des Schreibwaren-Geschäfts in dem ich früher meine Schulhefte gekauft habe, hieß Wagner. Intressant auch die Ergebnisse des Assoziationsblasters zum Thema Wagner. Egal, die Musik ist dieselbe geblieben und das ist schließlich das Wesentliche.
Fürs erste gibts zum Übergang eine MySpace-Seite (hey, es haben schon ganz andere Bands mit MySpace angefangen): MySpace.com/thisiswagnerlove, die Weiterleitung von der alten Domain Rotari-Klub.de habe ich gerade eben scharf geschaltet, womit die Namensänderung endgültig offiziell sein dürfte. Von meiner Seite aus (haha, wie doppeldeutig auf meiner eigenen Website so eine Formulierung zu benutzen) weiterhin viel Erfolg und Rock’n'Roll und so. Ich hoffe, wir basteln euch auch noch die neue Seite (die alte stammte aus meiner Feder Tastatur) und das übernehmen nicht irgendwelche seelenlosen Vögel einer Plattenfirma.
In vier Wochen ist es wieder soweit und das Wintersemester beginnt. Damit verbunden ist die tägliche Autofahrerei, die widerrum spezielle Musik erforderlich macht: Autofahrer-Musik.
Das muss krachen, es ist dringend erforderlich, sie laut zu hören, sie braucht den fließenden Sound, den gewissen “Flow” sozusagen, sie muss gute Laune machen, wach halten (oder zumindest aufwecken), über einen Schuss Testosteron verfügen (Gloria Gaynor bspw. geht im Auto gar nicht) und es schadet nicht, wenn man den Text etwas mitgröhlen- oder zumindest singen kann. Schließlich besteht im Auto nicht die Gefahr, von den Nachbarn gehört zu werden. Zwar wurde bei der WM 98 in Frankreich mein Radio geklaut, aber ein iPod mit dicken Kopfhörern hilft hier ganz gut aus. Natürlich nur im Stand an der Ampel, alles andere ist ja verboten.
Einen Vorteil hat das mit dem iPod aber doch: Man kann sich wunderbare Playlists zusammenbasteln. Und tádaaa! hier ist die meinige. Diesmal sehr langhaarig, rockig und gitarrenlastig (das merkt man schon an den vielen “The”’s in den Bandnamen), zumindest im Vergleich zu meinen 10 Liedern zum Frühling. Here we go:
I’m on a High - The Bosshoss
Die alten Country-Potatoes von The Bosshoss. Diese Country-RocknRoll Schiene made in Germany ist schon echt schräg, aber erfrischend anders. Ich habe keine Ahnung, warum das Ding nur “I’m on a high” heißt - auf jeden Fall ergänze ich beim lauten Mitsingen automatisch das “high” um “way”. Schöner Track mit ordentlich breiten Reifen.
I believe in a thing called Love - The Darkness
Gut. The Darkness. Man kann von ihnen bzw. von den dazugehörigen Spandexhosen halten, was man will. Aber die Musik macht einfach Gute Laune. Und vom Mitsing-Faktor brauchen wir gar nicht erst zu reden. Allein der Versuch derart hohe Stimmlagen wie der Sänger Justin Hawkins zu erreichen, löst bei mir einen regelrechten Östrogen-Schub aus, wodurch ich mich wie eine Frau über eigentlich belanglose Dinge wie meine Schuhe oder die bunten Blumen am Straßenrand freuen kann (…aber leider das Autofahren schlagartig verlerne, daher sollte man The Darkness nicht an verkehrneuralgischen Punkten hören).
Paranoid - Black Sabbath
Gibts eine Situation, bei der man diesen geradezu epischen Titel nicht hören könnte? Außer zum Einschlafen? Wohl kaum. Der feuchte Traum eines jeden Bikers mit Harley und Lederkutte, also genau richtig für gerade richtig für meinen Seat Ibiza
Boys of Summer - The Ataris
Das Orginal stammte von Don Henley und wurde schon mal von DJ Sammy feat. Loona gecovert - wofür allerdings weder die Ataris noch Don Henley was können. Boys of Summer lief im Oktober 2003 im australischen Radio hoch und runter, und ich verbinde damit viele schöne Erinnerungen. 3000km Küstenstraße, strahlender Sonnenschein, mit freiem Oberkörper prollo- und Trucker-mäßig am Steuer meines Kleinbusses, Ellenbogen raus, Ataris im Radio, alles Gut.
Make it tonight - The Hellacopters
Da ist er, der “Flow”, der fließende Sound, von dem ich einleitend sprach. Schönster Rock’n'Roll, wobei die Betonung eher auf Roll als auf Rock liegt. Der, wie ich finde, perfekte Titeltrack für einen schönen Roadmovie.
Black Betty - Spiderbait
Wenn wir schon gerade bei Australien und den Covertiteln wären: Orginal von Thin Lizzy, glaube ich, gecovert und gepimpt von Spiderbait, einer australischen Rockband. Vielleicht liegt es an der unglaublichen Weite des Landes, das man irgendwie jegliche Musik aus Down-Under zum Autofahren hören kann? Oder australische Musiker schreiben die Titel von vorneherein so, weil man in Australien nicht an der musikhörenden Autofahrer-Fraktion vorbeikommt, wenn man in die Charts will? Anyway, ich schweife ab…
Learn to Fly - Foo Fighters
Das letzte bißchen Nirvana, daß uns nach Kurt Cobain noch geblieben ist. Besser als nichts, aber die Foo Fighers um Ex-Schlagzeuger Dave Grohl sind ein würdiger Nachfolger. Nitzsche hat mal gesagt “Wer fliegen will, muß zuerst laufen lernen”. Laufen kann ich; das Fahren erledigt mein Seat für mich. Das Fliegen bringe ich ihm auch noch bei.
No Evil - Motorpsycho
Dieses Gitarrenriff am Anfang macht Laune. Und zwar richtig. Dazu noch der Bandname: “Motorpsycho”. Wäre auch eine schöne Alternative für “Mad Max”. “Motorpsycho - Jenseits der Donnerkuppel” oder so…
Soul Man - Blues Brothers
Der Abwechslung halber mal was ohne Gitarre. Muss auch mal sein - und was kommt da besser als die Musik aus DEM Roadmovie schlechthin?
Kickstart my Heart - Mötley Crue
Na? Wach? Nein? Dann ab mit Mötley Crue in den Player, laut aufdrehen und schon paßt das. Kaffee ist dagegen das reinste Schlafmittel.
Wildest Dreams - Iron Maiden
Jaja, schon gut, ich weiß: Iron Maiden sind sowas von 80ies, bestenfalls 90ies und damit eigentlich raus wie Schröder aus dem Kanzleramt. Aber “Wildest Dreams” hat ist einfach den richtigen Flow fürs Auto - nicht umsonst dreht sich im animierten Video alles um ein Auto (das allerdings mehr wie ein fahrendes Bierfass aussieht…). In diesem Sinne: “I’m On My Way! Out On My Own Again”
So, und für den Winter wird dann wieder elektronischer.
Eigentlich wollte ich auf Reality on the Rocks nie etwas schreiben, was als Musik-Rezension verstanden werden könnte. Denn obwohl ich permanent Musik höre, verstehe ich davon einfach zu wenig um wirklich fundiert darüber zu schreiben. Außerdem lesen hier jede Menge Musiknazis mit, von denen ich mir anschließend gottweißwas anhören müßte.
Mein letzter iTMS-Neuerwerb aber bringt mich dazu, mit diesem Prinzip zu brechen, handelt es sich dabei doch eines der besten Alben, das je seinen Weg auf meinen Pod fand: Jan Delays aka. Jan Eißfeldts neues Album “Mercedes Dance”. Ein absolut amtliches Party-Brett, nicht mehr und nicht weniger!
Jan Delay, der bereits seit den 90ern mit den (Absolute) Beginnern am Start war und damit einer Pioniere des deutschen HipHop ist, hat mit Mercedes Dance bereits sein zweites Soloalbum nach “Searching for the Jan Soul Rebel” am Start. War das erste Album noch ziemlich Raggaelastig, so ändert Jan beim zweiten Album seinen Stil und näselt zu Funk- und Diskobeats. Unmengen an Bläsern, Percussion, Synties, Funk-Gitarren und warmen Orgeln, bei denen selbst die Doors blaß vor Neid wären, schaffen einen Sound, der mich wirklich umhaut: Soviel Style, soviel Abwechslung, so unglaublich viel Groove und freshen Shit habe ich schon lange nicht mehr gehört. Prototyp für den Sound ist das Instrumental “Gasthaus zum lachenden Stalin” (allein der Titel… wunnabar!)
“[…]denn sie wissen, ich bring die Platten die was was bedeuten, die euch ein Leben lang begleiten wie gute Freunde” Als ich das gehört habe, mußte ich kurz an die alten Beginner-Platten aus den frühen 90ern denken. Deutscher HipHop in den Kinderschuhen, nur zu beziehen per Mailorder aus Katalogen. Das gesamte Angebot dieses jungen Genres paßte auf wenige kopierte DIN-A4 Seiten. Und mittendrin damals schon Eißfeldt und Co. mit “Großdeutsche Haartonsur”, “Dies ist nicht Amerika”, “Freiheit befreien” um nur einige der alten Nummern zu nennen. Ich finde es bewundernswert, wie es Jan Delay geschafft hat seinen musikalischen Stil über die Jahre immer weiterzuentwickeln, daran zu feilen, sich immer weiter zu verbessern ohne sich dabei selbst zu verraten oder zu verkaufen. Scheuklappen und Langeweile sind Fremdwörter - Hut ab! Mir fallen nicht viele Künstler ein, die mich von Anfang der 90er bis heute so begeistern (Gut, vielleicht noch Prodigy, aber von denen gibts ja leider nix neues seit Jahren….)
Ob die beiden Solo-Alben von Jan Delay noch immer HipHop sind? Der näselnde Großmeister hat darauf seine eigene Antwort: “Da kick’ ich Lyrics von Helge Schneider bis Bob Dylon / oh, wie der Scheiß rockt / der Scheiß ist so hot / der Scheiß ist so Pop / sie schreien Oh Gott […] Ich mag die Haltung von Punk, und den Style vom Jazz / Die Bässe vom Reggae und die Beats vom Rap.” Mir ist es scheißegal, ob das HipHop, Funk, Disko Rock oder Wiener Walzer ist und ob die Musik sich in eine Schublade stecken läßt, solange Jan Delay so klingt wie auf diesem Album: Nämlich derbe geil!
Mit dem Intro gehts gleich mal gut los. Jan Delay macht klar, was geht und was man die nächsten 45 Minuten erwarten darf: “Ein neuer Jan, ein neuer Anfang, Raggae ist tot, jetzt ist Funk dran.” Word! Aber sowas von!
Meine Anspieltipps:
“Klar” dürfte dann der bekannteste Track der Platte sein und ist meines Wissens nach auch die erste Single-Auskopplung daraus. Das Ding ist ein 100%ig tanzbares, astreines Party-Brett und Arschwackler und groovt selbst Justin Timberlakes “Rock your Body” gnadenlos in Grund und Boden. Zeilen wie “Alle die feiern wollen, sagen Hey / und alle die Rocken wollen sagen Ho / ihr seid auf jeden Fall richtig bei Jan Delay” gewinnen nun nicht gerade einen Preis für die kreativsten Rhymes, aber der Star des Tracks sind auch mehr die Beats und die Instrumente, insofern geht das “Klar” (sorry, das Wortspiel konnte ich mir einfach nicht verkneifen).
Mit “Für immer und Dich” findet sich auch die unvermeidliche Schnulze auf der Pladde’. Gut, mein Fall ist es nicht, aber das liegt daran, daß mir schnulzige Lieder tendenziell eher auf die Nerven gehen. Kuschelrock toppt wird allemal um Längen getoppt.
“Feuer” - der Name ist Programm. Ein Partytrack mit echter Message: “Denn das wichtigste ist, daß das Feuer nicht aufhört zu brennen / denn sonst wird es ganz bitterlich kalt / Ja, die Flammen im Herzen, die sind durch nichts zu ersetzen / darum halt sie am Laufen mit aller Gewalt”. Das scheint auch Jan Delay bei der Mache des Albums beherzigt zu haben, da steckt wirklich Feuer und Leidenschaft drin.
Bevor in “Plastik” der näselnde Gesang einsetzt, könnte man nicht sagen, ob es sich um ein Stück aus den frühen Jahren von Michael Jackson, Edwin Starr oder Rick James handelt, so funkig klingt das. Genialer Track, der neben “Klar” meine klare Nummer 2 ist und den in den Zwischenzeit auch vermutlich meine Nachbarn mitsingen können….
Und dann ist da noch der Schluss des Albums, passenderweise “Im Arsch“, bei dem der wahre Titan und Altmeister der deutschen Musikszene auftaucht: Dieter Bohlen Udo Lindenberg. Es ist unfassbar, wie gut die beiden zusammen klingen: Die näselnde Stimme von Jan Delay und dieses charismatische, schleppende Organ von Lindenberg sind wie Kopf und Arsch. Wenn ich das nächste Mal nach einer langen, durchgefeierten Nacht betrunkenangetrunken müde nach Hause komme, dann werde ich mir genau dieses Teil reinfahren und mit einem Grinsen im Gesicht einschlafen.
Fazit: Kaufen! Das Geld ist gut angelegt und das Album ein echtes “Must-Have”. Warum kann deutsche Popmusik nur nicht immer so frisch, so unpeinlich und so tanzbar sein?
Andere (auch negative) Meinungen zu “Mercedes Dance” gibts übrigens hier oder auch hier. So, und jetzt dürfen mich gern alle mitlesenden Musiknazis zerreißen.