Monatsarchiv für den Juni 2007

Lahme Veranstaltung

Lahme Veranstaltung

10. Juni 2007, 14:46 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

Feste soll man feiern wie sie fallen. Das wiederholen hingegen klappt meistens nicht so gut. Wie wahr das ist, das zeigte sich gestern abend auf der zehnjährigen Abi-Jubiläumsfeier (d.h. 97′) meines Vorgänger-Jahrgangs. Auf den ersten Blick eigentlich ein Setting, bei dem man nichts hätte falsch machen können: Ein Haufen Leute, mit denen man früher schon feiern konnte, bis es kracht, dazu gutes Wetter und eine wirklich schöne und entspannte Location.

Trotzdem gelten zwei Weisheiten:

  • Von ganz wenigen Ausnahmen mal abgesehen, trifft man die Leute die man mag, nicht auf Ehemaligentreffen, sondern ohnehin “privat” - weil man zusammen abhängt und feiert.
  • Die Leute, die schon damals spackige Spaßbremsen und Spießer waren, sind das auch heute noch

Leider waren es genau die zuletzt genannten Leute, die die Party organisiert haben. Und mir trotz “Freibier” gründlich die Laune verdorben:

  • Was liegt näher als bei einer Gartenparty Fackeln aufzustellen und ein fettes Feuer zu machen? Dumm nur, wenn das Holz klatschnass ist weil es niemand abgeckt hat vorher…
  • Billige, eingelegte Steaks aus dem Supermarkt - genau wie der Nudelsalat aus dem 5kg-Metro-Eimer, dessen Nudeln in Mayonaise versanken. Man sich ohne weiteres auch einen Caterer kommen lassen können. Ist ja nicht so, daß der Eintritt frei war.
  • Ich hab mal gehört, daß Musik auf einer Party eine wichtige Rolle spielen soll. Aber ein iPod ist kein DJ! Und wenn doch: Es gibt ein Feature, das sich automatische Lautstärkenanpassung nennt…
  • Um zwei Uhr morgens noch den vollen Eintritt zu fordern, ist mehr als unverschämt, wenn ohnehin nichts los ist, das Essen schon weg ist und die Gruppe zu 70% aus Frauen besteht, die niemals für 18 Euro trinken.
  • Wenn die Veranstalter um drei Uhr das Boxenkabel konfiszieren, weil sie heimgehen möchten (ist ja schon drei!), würde diese Praktik sicher den Beifall der Polizei finden - aber nicht den der (zahlenden!) Besucher, vorallem nicht von denen, die noch vor 60 Minuten vollen Eintritt zahlen sollten.
  • Genauso wenig Zuspruch erntet man, wenn man das Bier wegschließt und die Kühlschränke ausräumt - weil man heimgehen möchte (ist ja schon drei!).
  • Umsonst ist im Leben nur der Tod. Stolze 15 bzw. 18 Euro Eintritt: Billig ist was anderes, dafür hätte ich durchaus mehr erwartet als kostenloses Bier.

Ich habe zwischen 22:00 und 5:00 Uhr schon viel Feierei gesehen. Aber sowas? Nee, echt nicht. Eine Organisation, wie sie  stümperhafter nicht hätte sein können. Setzen, Sechs.

Heiligendamm Luftangriff

Heiligendamm Luftangriff

5. Juni 2007, 15:00 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

Zwei Fallschirmspringer wollen über Heiligendamm abspringen und direkt am Strand landen:
Der Heiligendamm-Airstrike

Ein -vorsichtig ausgedrückt- gewagtes Unterfangen. Ich möchte nicht in deren Haut stecken, wenn direkt nach der Landung irgendwelche SecretServiceGSG9SpetznatzOderWasAuchImmer anrücken. Aber wenn es klappen sollte: Spektakulär! (Danke Reuben)

Auf der anderen Seite erinnert mich das ganze doch sehr an Svens WM Wette: Schnell eine Seite mit mehr oder weniger spektakulärem Inhalt zusammenkloppen, Riesenevent versprechen (Absprung über Heiligendamm oder eben nackt übers Feld flitzen), ein paar Layer-Ads drauf, noch ein Counter und dann zusehen wie die Kasse klingelt. Rechnet sich definitiv für den Betreiber.

Mea Culpa, wenn ich mich irre, aber ich wette, das ist ein Fake.

Sprachlos

Sprachlos

1. Juni 2007, 22:55 Uhr Political correctness Halla

Man mag von den Diskussionen um die G8-Demos halten, was man will. Angesichts dieses Videos, das auf G8-Tv.org veröffentlicht wurde, bleibt mir allerdings schlichtweg die Spucke weg:

Ein Konvoi aus 15 Trucks mit Ausrüstungsgütern für das Anti-G8 Camp in Wichmanndorf wird von der Polizei auf offener Straße gestoppt. Der “Einsatzleiter” gibt daraufhin vor laufender Kamera den Grund dafür zum besten:

Wir haben begründete Hinweise darauf, daß es sowohl aus [Aufzählung verschiedener Bundesländer] reichlich Hinweise darauf gibt, daß gestohlene Fahrräder hier [… dieser Teil geht im Gejohle der Demonstranten unter…] Meine Damen und Herren, wir werden Ihre Personalien feststellen wir werden hier die Fahrzeuge durchsuchen und wir werden diese Massnahme konsequent durchziehen.

Anschließend rücken dutzende Polizisten an, kontrollieren scheinheilig ein paar Fahrräder (und was für Schrotträder!) und nehmen fleißig Personalien auf. Ja, richtig gelesen. Von allen Demonstranten werden mit diesem lächerlichen, vorgeschobenen Grund die Personendaten gesammelt und die Menschen eingeschüchtert und kriminalisiert - und das obwohl sie nur ein Grundrecht wahrnehmen wollen.

Wie lächerlich will sich der Staat eigentlich noch machen? Ich dachte schon, mit den Geruchsproben wäre das Ende der Fahnenstange erreicht - aber nein, da geht noch mehr. Es scheint tatsächlich so, als wäre Heiligendamm demokratiefreie Zone (die dafür umso repressiver ist). Hoffentlich ist das kein Vorgeschmack auf das, was bald ganz Deutschland blühen könnte, wenn Herr Schäuble dieses Land noch länger mit kranken Ideen terrorisiert. Ein besseres Beispiel dafür, wie man von Berlin aus die Bürger verarscht, gibt es wohl kaum…

Ne, Kinners’, ich mag Deutschland eigentlich wirklich gern - aber dieser Staat ist einfach nicht mehr mein Staat. Obwohl, jetzt wo man so rigoros gegen Fahrraddiebe vorgeht, bekomme ich vielleicht auch meine vier gestohlenen Räder wieder. Bisher hieß es da bei der Polizei nämlich immer nur “Schaun’ Se mal bei Ebay rein, vielleicht ham’se da ne Chance”.