Wunder geschehen
3. April 2007, 23:41 Uhr Industrie? Anarchie! Halla
Kein normaler Mensch gibt sein Geld für ein Produkt aus, das nur unter ganz bestimmten, nicht kontrollierbaren Umständen funktioniert, das man nicht zurückgeben darf, bei dem der Verkäufer das letzte Wort darüber behält, wie man das Produkt benutzt und das einem obendrein auch noch jederzeit wieder wieder vom Verkäufer weggenommen werden kann - denn eigentlich gehört es einem ja gar nicht, man darf es “nur benutzen”. Obwohl man dafür gutes Geld gezahlt hat.
So gesehen ist es kein Wunder, daß legale Musikdownloads bisher nicht so richtig einschlagen - schließlich sorgt das dank der Paranoia der Majors allgegenwärtige DRM für das beschriebene Verhalten. Umso erstaunlicher, daß die entsprechende Erkenntnis erst jetzt in den Vorstandsetagen reift und der erste Major endlich auf die DRM-Fessel verzichtet: EMI wird künftig Musik auch bspw. im MP3-Format (d.h. DRM-frei) anbieten (lassen).
Das ist durchaus als kleine Revolution zu betrachten: DRM dürfte der Hauptgrund sein, der potentielle Kunden bisher vom Kauf in Online-Shops abschreckt. Noch dazu hat DRM penetrant den Käufern diese “Industrie-gegen-Kunden”-Haltung aufgezeigt, bei der man sich als ehrlicher Kunde verarscht fühlen mußte. Selbst bei Musicload ließ man inzwischen verlauten, daß “Das digitale Rechtemanagement […] nicht mehr zeitgemäß [ist]”. Richtig so!
Der Schritt, den EMI geht ist 100%ig richtig und mutig zugleich und ich bin sicher, daß auf kurz oder lang auch die anderen drei Majorlabel nachziehen werden. Spätestens wenn man sieht, wie sehr der Verzicht auf DRM die Verkäufe ankurbelt. Ich denke jedenfalls, daß ich nicht der Einzige bin, für den ein Download im MP3-Format eine gangbare Alternative zur CD darstellt.





Bezweifle trotzdem, dass diese Entwicklung die “illegalen Downloader” dazu bewegen wird, ihre P2P-Programme von ihren Rechnern zu verbannen und auf einmal wieder Geld für Musik auszugeben, wo das doch alles so einfach ist und man sich da ja so dran gewöhnt hat…