Monatsarchiv für den April 2007

Rollentausch

Rollentausch

26. April 2007, 00:49 Uhr Schafferei Halla

Von den Agenturen, die ich wegen eines Praktikums angeschrieben hatte, hat sich schon nach wenigen Tagen diejenige gemeldet, mit der ich bereits in meiner Prä-Studizeit als Festangestellter zusammengearbeitet habe - damals allerdings natürlich auf Kundenseite.

Eine etwas ungewohnte Situation: Über Jahre saß ich als Mitarbeiter des Kunden (aka Geldgeber) hinweg mit der Agentur am Tisch, folglich konnte ich nach Herzenslust rumfrotzeln, ab und an auch mal dumme Sprüche reißen oder mit heraushängenden Hemd aufkreuzen, was mir schlimmstenfalls einen tadelnden Blick der Kollegen einbrachte.

Nun war aber genau dieser damalige Ansprechpartner in der Agentur derjenige (bzw. diejenige) die auch mein Bewerbungsgespräch führte. Selber Raum, selber Gesprächspartner wie früher - nur eben eine vollkommen andere Situation: Vom Geldgeber zum Bittsteller sozusagen. Dumme Sprüche oder schnoddrige Kommentare sollte man sich dabei tunlichst verkneifen, und auch das Hemd in der Hose zu tragen verschafft einem durchaus einen gewissen Vorteil…

Aber offensichtlich hat der Rollentausch einigermaßen geklappt: Nach einem etwa einstündigen Gespräch bot man mir einen Praktikumsplatz an. Sic! Vitamin B funktioniert einfach am besten.

Mein Einkauf mein Job

Mein Einkauf mein Job

23. April 2007, 21:09 Uhr Ich und mein Martyrium Halla

Der Typ an der Kasse vor mir ist spindeldürr, vielleicht Anfang / Mitte 30, schütteres Haar mit große Geheimratsecken. Er trägt Turnschuhe, eine schwarze Jeans und ein zu weites Karohemd, aus der Hosentasche hängt ein Schlüsselband mit dem Aufdruck “e-Architects” (oder so ähnlich). Klamotten sehen aus wie 1995 von Mutti gekauft - was ungefähr auch der Zeitpunkt gewesen sein dürfte, an dem der Arme das letzte Mal Sonne gesehen hat.

Aufs dem Kassenband sind ausschließlich Fertigpizzen, ein paar Joghurts mit Schokostreuseln und alle möglichen Sorten von diesen scheußlichen, syntethischen  Tassengerichten, die man nur mit heißem Wasser übergießen muss. Sonst nichts. Ist schon erstaunlich, wie sehr man den Leuten ihren Beruf manchmal ansieht.

Willkommen in meiner Zukunft.
Willkommen im Modelbusiness in der Informatik.

Drop the Pressure

Drop the Pressure

23. April 2007, 17:54 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

Einen Ast kann man entweder mit einem handlichen Fuchsschwanz absägen oder gleich zur 5PS starken Stihl-Kettensäge greifen. Selbstverständlich würde ich immer die Kettensäge bevorzugen. Diese Einstellung geht aber gelegentlich auch mal nach hinten los.

Mein Bike z.B. verfügt über eine Marzocci-Federgabel, deren Druckstufe mit einer Luftdämpfung arbeitet. Über zwei Autoventile an den Gabelholmen kann der Druck (und damit die Härte der Dämpfung) reguliert werden, jeder Holm fasst schätzungsweise 0,5 Liter Luft. Mit einer speziellen Handpumpe lassen sich die Luftmenge und der Druck auf das Milibar genau dosieren und so die Härte der Gabel exakt einstellen - eine sehr feinmotorische Angelegenheit.

Eine Handpumpe? Das ist was für Weicheier, da muss Druckluft her!Das geht auch anders dachte ich mir, und befüllte die Gabel nicht mit einer kleinen Handpumpe, sondern mit dem Druckluftspender für Autoreifen von der Tankstelle um die Ecke.

Tolle Idee. Bei 5 Bar Druck flog mir die Dichtung des linken Gabelholms unterhalb des Schmutzabstreifers um die Ohren.  Diese Dichtung läßt sich nicht selbst austauschen, sondern muss vom Hersteller selbst gewechselt werden, d.h. ich muss meine Gabel ausbauen und einschicken. Außerdem trat Öl aus der Gabel aus, das am Holm entlang bis in die Scheibenbremse floss und dort Beläge samt Scheibe verölte - beides nun ebenfalls Kandidaten, die ausgebaut und getauscht werden müssen. Dumm geflossen gelaufen, also.

Verdammte Tankstellen-Druckluftspender. Manchmal hasse ich mein Holzhammer-Gen.

Der Praktikant Teil 1

Der Praktikant Teil 1

23. April 2007, 14:19 Uhr Schafferei Halla

Teil meines Studiums ist auch ein 6-monatiges bzw. einsemestriges Industrie-Praktikum im kommenden Wintersemester. Zwar bin ich offiziell davon befreit (so ganz ohne Praxis hab ich die 26 Jahre vor dem Studium ja schließlich auch nicht verbracht), aber aufgrund der “Beschaffenheit” eines FH-Studiengangs bringt mir diese Lücke keinen Zeitvorteil (sodaß ich etwa 6 Monate früher fertig sein könnte), sondern nur eine Zwangspause.

Was also mit der Zeit im Wintersemester anfangen? Ausland? Freiwilliges Praktika? Rumgammeln? Arbeiten gehen? Meine bevorzugte Alternative den Winter in Kitzbühl als Skilehrer zu verbringen, schied von vorneherein aus: Ich kann nicht Skifahren. Ausland? Auch nicht schlecht, kostet aber zuviel Geld und ich habe zwar keine Familie aber wenigstens doch ein Auto und eine Wohnung zu unterhalten. Rumgammeln? Im Sommer gern - im Winter eher nicht so, ich würde dabei entweder Alkoholiker werden oder die Zimmerdecke könnte mich erschlagen.

Bleibt also noch das Praktikum auf freiwilliger Basis. Als Medienschlampe ohnehin etwas, woran man sich wohl besser früh als spät gewöhnt. Aber auch eine schöne Gelegenheit, sich mal eine Agentur von innen anzusehen. Zwar habe ich schon häufiger mit selbigen gearbeitet, aber eben nur als Kunde, nicht als Anbieter der Dienstleistung.

Vor zwei Wochen habe mich daher blind bei den 6 besten “Full-Service” Agenturen im Frankfurter Raum beworben (eine kleine Klitsche kommt mir von vorneherein nicht in Frage), und jetzt bin ich mal gespannt, wie das so laufen wird. Über den Verlauf der Jobsuche werde ich hier immer mal wieder berichten.

Eine erste Feststellung gibts vorweg: So wie Ärzte selbst die schlechtesten Patienten sind, verhält es sich auch mit den Agenturen. Deren Websites sehen durch die Bank weg gräßlich aus und sind technisch größtenteils völlig veraltet. Da wird mit Denglischen Begriffen nur so um sich geworfen, die Kundenliste liest sich wie ein Who’s Who der DAX-Konzerne und die Grimme- oder Cannes Cyberlions Awards reihen sich aneinander, aber die eigene Seite sieht aus wie das letzte Kackfass von 1990. Aber gut, solange die Kundenwebsites besser werden…

Stay Tuned.

Full Metal Village

Full Metal Village

23. April 2007, 10:45 Uhr Netzfundstücke Halla

Mit dem Sommer steht auch die die Festivalsaison wieder vor der Tür, und ein spezieller Name steht dabei wie kein anderer für Rock’n'Roll Heavy Metal und Dosenbier: Das Wacken Open Air.
Wacken ist ein Kuhdorf mit 1800 Seelen irgendwo im Norden der Republik, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Kleinbürgerlich-Spießige Gemütlichkeit galore. Bis zum ersten Augustwochende, jeden Jahres, wenn 60.000 Heavy-Metal Fans aus allen möglichen Ländern das Dorf überfallen und dort feiern.

Über diesen Clash of Cultures (der aber in aller Freundschaft abläuft) hat Sung-Hyung Cho (wtf?!) einen Dokumentarfilm gedreht: “Full Metal Village”.

Der Film zeigt einen Kontrast, wie er größer nicht sein könnte: Auf der einen Seite die Kühe-fütternden Telekom-Kleinaktionäre, die Sonntags zum Frühschoppen mit der Feuerwehrkappelle gehen und auf der anderen die langhaarigen, Bier-Frühstückenden Heavy-Metal Freaks, deren Musik jedem ohne einen Zugang dazu einfach nur wie infernalischer Lärm vorkommen muss. Grandios.

Auf der Website der Zeit Online kann man sich einen Trailer und einge Bilder aus dem Film ansehen.

Schlechtes Gewissen

Schlechtes Gewissen

17. April 2007, 16:37 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

Schockierend offene Worte eines Profs als Antwort auf die Frage, wie er das gute Wetter am Wochendende hinsichtlich des Klimawandels empfand:

Ich genoß das schöne Wetter am Wochenende. Aber ich hatte ein schlechtes Gewissen wegen dem Autofahren.

Ueberlegene Rhetorik

Ueberlegene Rhetorik

13. April 2007, 19:38 Uhr Freitagsvideo Halla

So. Es ist Freitag und damit wirds mal wieder Zeit fürs Freitagsvideo. Wer hätte es gedacht.

Heute mal ein etwas (aber nur ein bißchen) anspruchsvolleres Video: Serdar Somuncu in Dippoldiswalde. Serdar Somuncu ist ein türkischer Stand-Up Comedian und liest ein bißchen aus Hitlers “Mein Kampf” vor. An und für sich schon zum Totlachen, bei diesem Auftritt im tiefsten Osten allerdings stürmen plötzlich ein paar Rechtsradikale die Bühne und versuchen sich an tumben Ausländer-Raus-Parolen. Klingt zunächst nach üblem Arger, aber Somuncu bleibt cool und führt die vertrottelten Nazis wunderbar vor. Wenn es nur immer so einfach wäre.

5 Minuten

5 Minuten

13. April 2007, 13:22 Uhr Political correctness Halla

Warum sich selbst weiter den Mund fusselig reden (ich tu’s ja doch), wenn das andere schon so schön zusammengefaßt haben:

5-Minuten-Info: Vorratsdatenspeicherung

Wer das Thema noch immer mit einem “Ich hab nichts zu verbergen!” oder “Was quatschen die Datenschutzspinner da wieder?” abtut, könnte sich vielleicht den Artikel mal schnell durchlesen. Und sich danach überlegen, ob er mit dem Wahnsinn, der da gerade in Berlin grassiert, einverstanden ist.

Es ist schön zu sehen, daß dieses Thema auch in den Mainstream-Medien (z.B. in den SZ-Artikeln, Telepolis, SpOn, etc.) zusehends kritisch behandelt wird, Proteste aus dem Heise- oder CCC-Maschinenraum reichen aber nicht aus. Wenn es erstmal soweit ist, daß jeder(!) Einwohner zum Meldeamt darf, damit die Fingerabdrücke genommen werden, jede private E-Mail an Freunde und Familie 6 Monate lang im Wortlaut gespeichert bleibt oder mein privater Rechner mitsamt intimsten Daten (z.B. Bankverbindungen) dem Staat offen steht, dann ist es zu spät.

Klingt paranoid? Ist aber leider Realität. Das ist ein Teil der Vorhaben, die man in Berlin gerade mit aller Gewalt durchpeitschen will.

Den Nagel auf dem Kopf trifft übrigens auch dieser Artikel in der Westfälischen Rundschau:

Wolfgang Schäuble und seine Kollegen fahnden aber nicht nach Osama - sie schnüffeln hinter Otto Schulze her.

Knut der Eisbaer

Knut der Eisbaer

12. April 2007, 16:22 Uhr Netzfundstücke Halla

Knut ist süß, keine Frage. Gar nicht süß hingegen ist das Verhalten des Berliner Zoos, in dem Knut wohnt.

Wer sich für den Pressebereich auf der Website registrieren will, der muss eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnen. Darin heißt es u.a.:

Der Vertragspartner verpflichtet sich,
[…]
2. die Materialien nicht für Darstellungen zu verwenden oder zu überlassen, die die Zoologischer Garten Berlin AG oder ihre Mitarbeiter in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen;

Ich muss schon sagen: Der Berliner Zoo bzw. dessen Betreiber haben eine merkwürdige Auffassung von Pressefreiheit (Tagesspiegel Online, via)

Apropos Knut: Kennt jemand Sybille Weischenberg? Die selbsternannte “Society-Expertin”, die ständig ihren Senf zum Privatleben von (Möchtegern-)Promis geben muss? Die Frau kommentiert gelegentlich im Frühstücksfernsehen und ist für mich mit ihrer unerträglichen Anwesenheit zu einem wesentlich Teil dafür verantwortlich, mich morgends endgültig aus dem Haus in die Uni zu treiben.

Auf die Frage heute morgen, warum Knut als so süß empfunden werde, fing sie an zu schwadronieren und blubberte was vom Bären, der von Mutter verstoßen wurde, der sein Brüderchen verloren hat und das es das sei, was das Herz der Menschen berühren würde.

Bullshit. Vielleicht sollte die gute Frau einfach nochmal ihr Biologiebuch aus der Mittelstufe rauskramen. Und nachlesen, was man unter dem Kindchenschema versteht.

Oben ohne

Oben ohne

12. April 2007, 15:41 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla

Ich muss schon sagen: Das derzeitige Sommerwetter sorgt dafür, daß sich so mancher Cabriofahrer wunderbar zum Affen macht. Da parkt z.B. einer seinen Opel Roadster direkt vor den Tischen eines Cafés als wäre es ein Drive-In, um dann ganz sportlich mit einem Schwung über die geschlossene Fahrertür auszusteigen. Ja, schon gut, wir haben Dich gesehen, jetzt setz Dich hin und bestell’ Dir Deinen Latte.

Oder der Audi TT heute nachmittag, der auf der Landstraße vor sich hin schlich und mangels Überholmöglichkeit einen ganzen Rattenschwanz an genervten Fahrern hinter sich her zog. Cruisen geht auch mit mehr als Tempo 50, erst Recht wenn es kein Tempolimit gibt.

Den Vogel abgeschossen hat heute allerdings der Fahrer eines Ferrari 360, der während der Mittagspause oben ohne eine Runde quer über den durch Studiengebühren gebeutelten Campus drehte. Respekt!