The Rise and the Fall

The Rise and the Fall

13. März 2007, 00:51 Uhr Steaks mit Fritten Halla

Ich bin ausgesprochener Liebhaber der internationalen Küche: Türkische Döner, thailändische Ente, kroatische Grillteller, italienische Pizza&Pasta, saftige BK-Burger, mexikanische Burritos&Tortillas - am liebsten in Mengen von denen man pakistanische Fußballnäher über Wochen hinweg ernähren könnte. Nicht weiter verwunderlich also, daß das wichtigste Utensil in meiner Küche die Mappe mit den Speisekarten aller Lieferservice- und Take-Away-Restaurants im Umkreis ist.

Mit anderen Worten: Ich bin ein kompetenter Ansprechpartner, wenn es um Fast- und Junk-Food geht (für alles andere ist die Freundin zuständig). Während ich für jedes Essen meinen jeweiligen Stammlieferanten habe, ist das bei Döner anders: Obwohl ich mir ein- bis zweimal die Woche so ein Gelöt einschiebe, habe ich noch immer niemanden gefunden, der es geschafft hätte, über die Jahre hinweg gleichbleibende Qualität zu liefern.

Aufgrund langjähriger Marktstudien konnte ich einen Schweinezyklus beobachten, dem alle mir bisher bekannten Dönerbudenbetreiber folgen:

  1. The Rise
    Der Laden siedelt sich neu an, der Besitzer buhlt um Kundschaft und strebt nach Fame in der Szene. Bei den Preisen handelt es sich ohnehin um Einheitspreise, also ist hier nicht viel zu holen, differenziert wird hauptsächlich anhand von zwei Merkmalen: dem Belag und dem Brot. Ein neuer Betreiber röstet das Brot schön lange, damit es warm und knusprig wird, der Belag ist in ausreichender Menge vorhanden. Es wird die “Königshäufung” angewandt: Fleisch, Rohkost, Sauce, dann wieder Fleisch.
  2. Make Money
    Der Laden liefert gleichbleibende Qualität und erarbeitet sich ein Stammpublikum. Als Stammgast verteidigt man “seine” Bude gegen alle Kritiker und Diskussionen darüber, wo es den besten Döner gibt, arten auch schnell mal in wahre Glaubenskriege aus die bereits Freundschaften zerstört und Beziehungen zerbrochen haben.
  3. Sellout
    Langsam und zu Beginn fast unmerklich läßt die Qualität nach: Brot wird nicht mehr lange genug getoastet, die Saucen- und Belagmenge bricht ein. Das Fleisch wird nicht mehr direkt von Kolben gesägt, sondern vorgeschnitten und in einer Edelstahlbox bis zum Verkauf warmgehalten. Es wird die einfache Häufung angewandt, bei der im Gegensatz zum Königsweg die letzte, schließende Fleischschicht unterschlagen wird. Die kritischen Stimmen mehren sich, immer öfter hört man im Bekanntenkreis mahnende Worte und Berichte über mangelhafte Döner.
  4. The Death
    Plötzlich hängt sang- und klanglos ein anderer Name über der Tür, der alte Besitzer hat verkauft, ein Neuer zieht ein (der in ca. 88.3% der Fälle auch das alte Interieur und die Geräte übernimmt) und versucht sein Glück. Der Zyklus beginnt erneut bei Punkt 1.

Als kompetenter Beobachter des Dönermarkts habe ich für mich die folgende Strategie entdeckt um den Eintritt von Phase 3 objektiv erkennen zu können: Bekomme ich dreimal hintereinander einen Döner, der mich nicht befriedigen konnte und aussah wie Dresden ‘45, wird es Zeit einen letzten Tee mit dem Maitre d’Cuisine zu trinken und einen neuen Stammlieferanten zu suchen. Am besten eine erfolgshungrige Young Gun, die sich noch in Phase 1 befindet.

Aber es erschreckt mich doch zutiefst, daß ich heute zum zweiten Mal in Folge einen Döner hatte, der erhebliche geschmackliche Mängel am Brot aufwies. Befinden sich mein Stammlieferant und ich uns etwa schon auf dem Weg zu Phase 3? Bitte nicht…


3 Kommentare für “The Rise and the Fall”

  1. 1 fred schrieb am 14. März 2007 um 16:38 Uhr:

    Ein Schweinezyklus ist das zwar nicht (ich dachte du studierst bwl im nebenfach) aber im Zusammenhang mit Dönern ein nettes Schlagwort.

  2. 2 Anonymous schrieb am 30. März 2007 um 16:11 Uhr:

    Bekomme ich dreimal hintereinander einen Döner, der mich nicht befriedigen konnte und aussah wie Dresden ‘45

    Alter Stromberg-Gucker! ;-)
    Dieses 4-Phasen Modell hab ich bereits schon oft (aber nur von außen) an einem unserer beiden örtlichen Dönerbuden feststellen können. Während die andere Bude, die ich in meiner Stammzeit fast wöchentlich von innen sah, sich schon seit einem geschätzten Jahrzehnt hält (ok, früher noch in Form eines Wagens vor unserem Einkaufszentrum), hat besagte Bude wahrscheinlich schon so oft den Namen gewechselt, dass ich es nicht mehr nur an einer Hand abzählen kann, denn schließlich fällt mir in Hochzeiten mehr als nur 1x Pro Jahr ein neues Schild auf.

  3. 3 Al Uminium schrieb am 30. März 2007 um 16:38 Uhr:

    Bekomme ich dreimal hintereinander einen Döner, der mich nicht befriedigen konnte und aussah wie Dresden ‘45

    Alter Stromberg-Gucker! ;-)
    Dieses 4-Phasen Modell hab ich bereits schon oft (aber nur von außen) an einem unserer beiden örtlichen Dönerbuden feststellen können. Während die andere Bude, die ich in meiner Stammzeit fast wöchentlich von innen sah, sich schon seit einem geschätzten Jahrzehnt hält (ok, früher noch in Form eines Wagens vor unserem Einkaufszentrum), hat besagte Bude wahrscheinlich schon so oft den Namen gewechselt, dass ich es nicht mehr nur an einer Hand abzählen kann, denn schließlich fällt mir in Hochzeiten mehr als nur 1x Pro Jahr ein neues Schild auf.

    P.S. Lösch mal bitte diesen Satz und das anonyme Kommentar, danke.

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