Verweigerungshaltung
12. September 2006, 00:15 Uhr Erzähls der Parkuhr Halla
Eine der nervigsten Tätigkeiten im Web-Business ist sicherlich das Aktualisieren von Inhalten auf Websites. Als ich vor meiner Studizeit noch Fulltime in einem großen, altehrwürdigen Handelsunternehmen gearbeitet habe, haben meine Kollegen und ich gleich 5 verschiedene Sites betreut: Ein Intranet, 3 Firmenwebsites (unsere eigene plus diejenigen der Konzerntöchter) sowie eine große E-Commerce Plattform. Und obwohl wir ein wahres Schlachtschiff als Content Management System (Vignette, auch verwendet von SpOn) verwendeten und prinzipiell jeder der 1000 Mitarbeiter auf den Websites (geprüfte) Inhalte hätte publizieren können, sah der unternehmensinterne Workflow im schlimmsten Fall wie folgt aus:
- Mitarbeiter erhält von einem Lieferanten per E-Mail eine Information, die dieser gern auf einer unserer Sites veröffentlicht sehen würde.
- Der Mitarbeiter druckt die Mail aus, klebt ein Post-It dran und krakelt ein “Bitte ins Internet stellen” drauf (im Ernst!).
- Der Ausdruck samt Post-It wird ohne einen bestimmten Empfänger an “Abteilung IT” (bestehend aus 60 Kollegen) geschickt und anschließend vergessen.
Das Blatt samt der daran klebenden, nonchalant formulierten Bitte schlug dann früher oder später bei meinen Kollegen oder mir auf - was die immer gleichen Fragen aufward:
- Welcher Produktbereich ist von der Information betroffen?
- Auf welcher der fünf Websites soll der Zettel veröffentlicht werden? Und in welchem Bereich der Websites?
- Warum um Himmels willen macht der Mitarbeiter das nicht selbst?
- Und ebenso oft: WER ist eigentlich der Mitarbeiter, von dem die Bitte stammt?
Für gewöhnlich brachten wir derartige Kollegen dann per Rückruf zunächst auf die Idee, uns die Texte per E-Mail weiterzuleiten. Copy&Paste ist schließlich einfacher, schneller und weniger anfällig für Fehler als von einem Ausdruck abzutippen. Eine derartige geistige Transferleistung haben sogar Vertriebs- oder Marketingmitarbeiter zustande gebracht. Anschließend gabs eine kleine Schulung für das CMS und die nächsten Infos konnten dann von den Betreffenden selbst im Internet veröffentlicht werden. Nur wer es dann nochmals fertig brachte, dieselbe Nummer ein zweites Mal abzuziehen, konnte sich auf entsprechenden Gegenwind gefasst machen (um es mit Strombergs Worten zu sagen: “Büro ist Krieg”).
Eine Person aber drückt mir seit Jahren(!) kopierte oder handschriftlich verfasste Zettel in die Hand, die ich entziffern und abtippen muss. Schaffe ich das nicht in einem adäquaten Zeitrahmen, bekomme ich auch gern noch einen Einlauf hinterher verpasst, gegen den ich nicht mal was tun kann. Was will man auch schon groß sagen, wenn diejenige ihre Website aktualisiert haben will, und sich jeder Bitte, mir die Texte in irgendeiner elektronischen Form zukommen zu lassen, standhaft mit der Aussage “Hab’ Dich nicht so, Du fauler Hund - das ist doch schnell getippt!” verweigert?
Mit Kollegen oder Kunden werde ich fertig. Bei der eigenen Mutter aber bin ich völlig macht- und chancenlos.






Bis zum vorletzten Absatz hätte ich gesagt, dass du sehr seltsame Kunden hast … aber so: Du hast recht, du kannst nichts dagegen tun. Gar nichts.
Also man kann was dagegen tun
Meine Mum ist 70 und macht das selbst. Yo, ich hatte ihr vor 15 Jahren oder so einen uralten Rechner (Unix!) als Schreibmaschinenersatz geschenkt. Jetzt hat sie ihren dritten Aldi-PC und wenn ich (Informatiker) eine Frage zu Word habe, ruf ich sie an…
Sie sagt dann meist. “Hab’ Dich nicht so, dass kannst Du auch selbst. RTFM….”