Open Source Cinema
21. August 2006, 16:04 Uhr Celluloid , Netzfundstücke Goofystylz
Manche nennen es pragmatische Methologie, andere wieder eine Philosophie, in jedem Fall ist es sozusagen einer der Grundpfeiler des vielgehypten Web 2.0. (…und im Moment in seiner Form wieder in der Diskussion…)
Eigentlich kannte ich das Konzept nur von Software -der Quellcode wird offen gelegt; das erklärt dann nämlich auch ziemlich genau den Namen und worum es geht.
Um so interessanter fand ich es, auf einen Open-Source-Film zu treffen, Filme haben ja eigentlich gar keinen Quellcode. ![]()
Aber es scheint ja mitlerweile alles Open-Source zu geben, wahrscheinlich auch bald eine Starbucks Karamell-Latte.
Um es voraus zu schicken, was einen Open-Source-Film wirklich ausmacht, ist bisher (zumindest nach meinen Recherchen) nicht ausreichend definiert. Das Label tragen deshalb zu allgemeiner Verwirrung nicht nur Werke die in ihrer Kreation offen sind, d.h. nachträglich von jedem verändert werden dürfen, sondern auch Filme die “nur” mit Open-Source-Technologie kreiert wurden.
Ich persönlich finde letzteres falsch deklariert, weil es nach der Einbindung von Open-Source-Technologie immer noch ein stinknormaler Film zu einem billigeren Preis darstellt. Aber wenn dann auch der tatsächliche Content frei editierbar ist, kann ich die Paralellen durchaus ziehen. Für mich macht der Name nur einen Sinn, wenn die einzelnen Filmkomponenten sozusagen den Quellcode darstellen und das ganze eine Creative Commons Lizenz bekommt. Egal, mich fragt ja eh keiner…
Eine schöne und gleichzeitig erschreckende Vorstellung, daß Menschen mit ganz verschiedenem Standort, Herkunft und Paradigmen an der Produktion mitwirken können. “Fremde” werden sozusagen ein Teil des Filmteams. Von der künstlerischen Tragweite bin ich fasziniert: Ein Film offenbart sich als Werk ohnehin nur entlang einer Zeitachse, aber dieses Werk dann auch noch konstanter Fluktuation entlang einer zweiten Zeitachse zu unterwerfen birgt mit beinahe unendlichen Möglichkeiten auch unendlich viel Potential. Was tatsächlich funktioniert, und was nicht, wird sich herausstellen, aber theoretisch ist ein Open-Source-Film niemals fertig. Gefällt mir! Von Profan bis Weltverändernd ist alles drin - im “selben” Film, veilleicht auch erst nach Jahren der Entwicklung.
Darauf läßt sich eine Diskussion über die moralische Verpflichtung der “Macher” entfachen, was auch mit einigen Erstlingwerken schon geschah, aber den Rahmen dieses Beitrags sprengen dürfte. Auch Rezensionen passen nicht mehr hier rein, deswegen einfach mal ein paar Filme hier oder hier anschauen, vielleicht auch mal an einem rumschrauben…
Irgendwann gibt es keine schlechten Filme mehr, nur noch unfertige ![]()





