Und wieder ein Opfer
17. August 2006, 19:55 Uhr Erzähls der Parkuhr , Für Nerds Halla
Ob es am thematischen Sommerloch in der Blogosphäre liegt? Oder einfach daran, daß sich die Blogosphäre eben so gern mit sich selbst beschäftigt? Ich weiß es nicht. Zumindest sind eine E-Mail und ein Anruf mal wieder Auslöser genug eine Sau durchs Dorf zu treiben.
Dr. Frank Huber, seines Zeichens irgendein Marketingvogel, hat offensichtlich eine Reihe von bekannten Bloggern (”A-Blogger”) angemailt und nach einer Telefonnummer gefragt, da er gern eine “Vermarktungsidee” (bzgl. Blogs) besprechen würde. Und zumindest bei Udo Vetter vom Law Blog hat er sich auch telefonisch gemeldet (obwohl seine vorangeganen Mail schlicht ignoriert wurde).
Soweit eigentlich keine große Sache - sollte man meinen. Bis Felix von Wirres.net daraus einen Eintrag gemacht hat. Die daraus entstandenebrannte Flamewar Diskussion in den Kommentaren sollte man sich ruhig mal durchlesen, da sie mehr über die Funktionsweise der Blogosphäre verrät als so mancher schlauer Web-Zwonull-Community-Text.
Hr. Huber (der “Vermarkter”) diskutiert selbst leidenschaftlich mit und verteidigt seinen Standpunkt vehement - nämlich den, das Werbung sehr wohl in Blogs paßt. Und bekommt dafür (und vorallem für die Art und Weise der Kontaktaufnahme) von der Mehrzahl der Kommentatorenziemlich eins vor den Latz geknallt. Seine aufgeblasene, selbstgerechte Ausdrucksweise Schreibweise ist dabei eine Sache, die mir auch ziemlich gegen den Strich gehnt.
Aber das ist kaum der Fehler, den er begangen hat, sondern: Hr. Huber hat versucht mit Bloggern wie mit Geschäftsleuten in Kontakt zu treten. Eine (persönliche) E-Mail mit einer Geschäftsidee bzw. einem Angebot zu schicken und telefonisch nachzufassen, wenn sich nichts tut, mag nervig sein. Trotzdem ist es der Regelfall, wie er mir selbst in der Firma schon etliche Male unterkam. Nur leider sind Leute wie Felix Schwenzel oder Udo Vetter keine Geschäftsleute (zumindest nicht in Hinsicht auf ihre Blogs), sondern eben Privatpersonen. Und die können sehr empfindlich reagieren, wenn sie sich gestört fühlen - gleichwohl auch Hr. Huber ein zartes Pflänzchen zu sein scheint, wenn ich mir seine Kommentare auf wirres.net so ansehe.
Erinnert sich noch jemand an diese Geschichte mit den rätselhaften Postkarten, die vor letztes Jahr durch die Blogosphäre geisterten? Letzten Endes war das auch nicht mehr und nicht weniger als eine Art von PR-Aktion um sich ins Gespräch zu bringen. Und zwar vom Marketing-Blog. Die Nummer damals saß. Nicht nur bei mir, sondern auch bei allen Bloggern, mit denen der Hr. Huber so gern ins Geschäft kommen wollte. Vielleicht hätte er sich vorher mal mit den Kollegen vom Marketing Blog über die Befindlichkeiten der “Szene” unterhalten sollen.
Damit hätten wir Nummer Zweitausendvierhundertwasweißich, der in dem Minenfeld Blog/Web2.0/Flickr/Community/WasWeißich gnadenlos auf die Schnauze geflogen ist, weil er keine Ahnung hat, wie das alles so tickt. Schade eigentlich. Seitdem ich als Student von weit weniger als Hartz4 leben muss und mir nur noch den Thai leisten kann, der schon zigmal vom Gesundheitsamt geschlossen wurde, wäre ich froh, wenn mein Hobby ein paar Euro pro Monat abwerfen würde.






nun, bei lawblog war zB so, dass Herr Huber die Sekretärin seiner Kanzlei kontaktiert hat.
Kurzes mail, kurzer Anruf - stört nun wirklich keinen. Solange es dabei bleibt.
Ein kurzes ‘nein - danke’ sollte doch noch jeder höfliche Mensch hinbekommen, mag das Gegenüber noch so ein Arschloch sein!
Ich muss Herrn Huber insofern verteidigen, dass er wenigstens versucht hat sein ‘businessmodell’ an den Mann zu bringen. Diese ‘Bulldoggen-Mentalität’ ist sehr erfolgreich & beliebt im IT & Marketingvertrieb.
Man könnte natürlich auch den Kopf in den Sand stecken und warten bis Anica G. & Christina F. für Vollbeschäftigung sorgen; oder man fasst sich ein Herz und versucht selber etwas….
Angesichts der Zeit und dem Aufwand die manche Blogger in ihre Seiten stecken (siehe ROTR ;-)) ist es nur angebracht, den Menschen, die diese Energie aufgrund von gesellschaftlich monitären Verpflichtungen nicht mehr aufbringen können, eine Möglichkeit zu gewähren Ihre Arbeit fortzusetzen. Moralisch ethische Überlegungen außenvor und slebstverständlich den Autoren auferlegt…
Sicherlich besteht die Gefahr der Kommerzialisierung des gesamten “Systems”, aber wer kein Geld will, soll halt auch keins annehmen.
Ich kann hierzu nur sagen: es gibt so viele Talente im Blog-Bereich. Wieso soll man denen verbieten über geeignete Vermarktungsplattformen und -arten ihren Lebensunterhalt zu verdienen? In einem System wo alle sich gegenseitig die Haare schneiden, erfolgt keine Wertschöpfung und keine Arbeitsteilung. Andere sind da weiter: Loïc Le Meur fliegt mal schnell mit seinem Privatjet von X nach Y - oder Paris, um Innenminister Sarkozy persönlich seine Aufwartung zu machen. Das sind die Erfolgsstories von denen die Deutschen mal wieder nur träumen.