Hard Work

Hard Work

9. August 2006, 19:20 Uhr Industrie? Anarchie! Halla

Vor einigen Monaten wurde viel über das “Heise-Foren Urteil” diskutiert, demzufolge ein Webseitenbetreiber auch unmittelbar für von Besuchern veröffentlichte Inhalte haftbar zu machen wäre. In der Konsequenz bedeutete dies, daß künftig jeglicher Content vor Veröffentlichung geprüft werden müßte, was insbesondere für Privatpersonen, die Foren oder auch Blogs betreiben, nicht mehr umsetzbar wäre.

Im Grunde genonmmen ist es eine Ironie, daß ich genau dieser Tatsache (naja, fast - soweit ich weiß, ist das Urteil noch nicht rechtskräfitg) meinen aktuellen Job verdanke. Für die Marketing-Kampagne eines Consumer-Produkts kümmere ich mich um das Content-Management, d.h. ich überprüfe die Beiträge von Usern auf pornografische Andeutungen, Gewaltverherrlichungen etc. Sofern der Beitrag etwas in der Richtung enthält, gebe ich ihn frei lösche ich ihn. Zwar ist der Auftraggeber meines Wissens nach nicht gesetzlich dazu verpflichtet, eine solche Kontrolle durchzuführen, aber bevor sich am Ende geschäftsschädigende Postings auf der Seite finden, geht man verständlicherweise lieber auf Nummer Sicher.

So leicht und anspruchslos wie damit habe ich noch nie Geld verdient: Ich sitze in Shorts zuhause vorm Rechner, muss pro Stunde etwa fünf kurze Beiträge von Usern lesen und diese danach freischalten oder ablehnen. Die Beiträge sind dabei technisch auf eine sensationelle Länge von einem (!) Satz begrenzt. Das ist alles. Ob ich nebenbei am Kochen bin, blogge, mir solche Seiten ansehe oder fernsehe, das spielt keine Rolle. Nur ein Nickerchen halten, das geht leider nicht. Ganz so unstressig ist es doch widerrum nicht.

Auf der einen Seite ist das alles nicht nicht schlecht, ergibt sich dadurch doch DIE Gelegenheit, endlich mal das Photoshop Buch durchzuarbeiten, das ich vor Monaten gekauft habe (was ich eigentlich schon während des laufenden Semesters erledigen wollte). Auf der anderen Seite bietet so ein Job natürlich nicht die geringste Herausforderung. Ganz im Gegensatz zu diesem hier, der zwar anspruchchsvoller, intressanter und nutzbringender fürs Studium gewesen wäre, aber eben trotz ungleich höherer geforderter Leistung viel, viel schlechter “bezahlt” worden wäre - so schlecht, daß ich ihn nicht annehmen konnte, da nicht mal meine Lebenshaltungskosten gedeckt wären.

Da ist doch wirklich was faul im System.


5 Kommentare für “Hard Work”

  1. 1 Claudia schrieb am 9. August 2006 um 21:55 Uhr:

    Falls du mal wieder so einen netten Job in die Finger bekommst - her damit! Leichter gehts ja wirklich nicht …

  2. 2 bembelkandidat schrieb am 10. August 2006 um 03:22 Uhr:

    tja, da kann ich mich der claudia nur anschließen und stelle mich auch mal an… ;-)
    da weiß mensch ja gar nicht, ob ich mich für dich freuen oder mich ärgern muß oder beides, ob unserer so ungleichen “harten” jobs…

  3. 3 Al Uminium schrieb am 10. August 2006 um 13:18 Uhr:

    Ich will auch zusätzlich noch einen Job, den ich von zu Hause aus erledigen kann ;-(

  4. […] Für sie muss die Lebenszeit der Erwerbslosen, dieser ach so bedauernswerten Gesellschaftsschicht, ohne Rücksicht auf Sinn und Nutzen mit bezahlter Arbeit gefüllt werden. "Schlimm, schlimm", finden sie nicht etwa die Idee, die sie eben laut ausgesprochen haben, sondern, dass all die schönen Beeren verkommen müssen. » German Kleinigkeit, Arbeitseinsatz « (5. August 2006, 10:08) - […]

  5. 5 Dirk schrieb am 10. August 2006 um 18:03 Uhr:

    Willste mir jetzt Konkurrenz machen, mit Fötenshop oder was? Classroom in a book, viel Spass! Wenn Du Fragen hast, melde Dich ;)

Mein Kommentar dazu: