Druck auf der Leitung
15. Juli 2006, 14:31 Uhr WG Life Halla
Eine weitere WG-Geschichte, diesmal allerdings nicht aus meiner Darmstädter WG-Zeit, sondern von meiner zweiten WG, aus der ich erst vor kurzem Ausgezogen bin:
Als Mann schenkt man dem Thema “Abspritzen” naturgemäß eine gesteigerte Aufmerksamkeit, besonders im Frühling, wenn die Natur aus ihrem Winterschlaf erwacht. Mein Mitbewohner und ich bildeten da keine Ausnahme als wir uns nach langem Winter unseren Balkon ansehen und beschlossen, diesen mit einem Hochdruckreiniger mal so richtig abzuspritzen und klarschiff für den bevorstehenden Sommer zu machen. Wer meine Begeisterung für Panzer, Öltanker, Bagger, Sprengstoffe und andere Dinge mit ordentlich “Bumms” kennt, der kann sich vorstellen, was ich für leuchtende Augen bei dem Wort “Hochdruck”-Reiniger bekommen habe: Ein gewaltiger Kompressor, der einen Wasserstrahl um mehrere Hundert Bar komprimiert ist eine wirklich tolle, spaßversprechende Sache. Vom Druck her verhält sich so ein Hochdruckreiniger schließlich zu einem Gartenschlauch wie ein Chinaböller zu einer Atombombe. Mit anderen Worten: Her mit dem Ding, ich will putzen!
Wir also das Gelöt auf den Balkon geschafft und angeschlossen, wo ich bereits aufgeregt und angezogen wie der Village-People Baurbeiter darauf gewartet habe. Ein Riesenspaß: Mehrere Hundert Bar machen einen ganz schönen Alarm. Kleine Steine, Erde, Dreck und aller möglicher Schmodder flog in sämtliche Richtung durch die Gegend, überall war ein dichter, fein verteilter Wasser-Sprühnebel in der Luft, dazu der Lärm des Kompressors und ein halbnackter Bauarbeiter mittendrin.
Das “Problem” dabei: Schräg unter unserem Balkon befand sich der Biergarten einer benachbarten Kneipe (hier zu erkennen), in den der ganze Wassertropen-Nebel des Hochdruckreinigers hineingedrückt wurde. Erst als während einer kurzen Pause einer der Gäste etwas genervt hochrief, wielange ich denn noch brauchen würde, es würde allmählich feucht dort unten, registrierte ich das. Ich rief zurück, daß es mir die Störung leid täte und wir aber keine andere Möglichkeit hätten, den “Unkrautvernichter” aufzubringen (natürlich haben wir nur mit Leitungswasser gereinigt, aber der Typ ging mir auf den Wecker). Es dauerte keine 30 Sekunden, und die Gäste der beiden besetzten Tische in dem Biergarten hatten aus Angst vor der (imaginären) chemischen Keule das Feld geräumt und sich unter ein Vordach verzogen. Mein kleines, dreckiges Herz lacht noch heute, wenn ich daran denke… Ich hätte vielleicht eine Gasmaske aufziehen sollen, dann wäre die Reaktion der Gäste sicher noch dramatischer ausgefallen.
Nachdem wir den Balkon durchhatten, wurde ich gerade erst richtig warm - zu sehr hatte mich der Hochdruckreiniger angetörnt. Im Innenraum der WG wäre eine gründliche Reinigung auch mal vonnöten gewesen, allerdings ließ sich das Gelöt dort schlecht einsetzen, von daher verschoben wir diese Möglichkeit zunächst. Allerdings gab es da noch die Achillesferse jeder noch so gut funktionierenden WG: Die Küche, genauer gesagt das Geschirr bzw. der Abwasch. Seit Wochen schon versuchten wir den Geschirrberg zu ignorieren, dessen unterste Schicht noch aus den Zeiten des US-Bürgerkriegs stammen mußte - was uns aufgrund der steigenden Geruchsbelästigung nur eingeschränkt gelang. Aber hey: Wozu gibt es Hochdruckreiniger?
Wir streiften uns die Gummihandschuhe an, verstauten alles Geschirr in zwei großen Klappkörben und schafften es samt der Hochdruckmaschine in den Innenhof, wo wir begannen, das Geschirr spülen. Ich sag euch: Ihr glaubt gar nicht, wie unglaublich viel Spaß man beim Spülen haben kann, wenn man es auf die Männer-Art mit einem Hochdruckreiniger macht. Schimmel und eingetrocknete Essenreste flogen in alle Richtungen und das beste: Hält man den “Spüh-”Kopf des Reinigers in ein Glas und drückt ab, klirrt es kurz und das Glas zersplittert - dabei muss man nur etwas aufpassen, damit man selbst nichts abbekommt. Auch ein Riesenspaß: Topfdeckel mit dem Hochdruckwasserstrahl quer durch Hof schießen. Übrigens gibt es tatsächlich blaue Flecken, wenn man das Ding einem Mitbewohner jemand anders auf den Arsch hält und abdrückt.
Ich hatte noch nie so einen Spaß beim Putzen und Spülen. Meiner Meinung nach gehört so ein Hochdruckreiniger in jede Küche.






[…] Einer der Gruende, warum ich den Halla so gerne lese, ist zum Beispiel diese kranke Scheisse hier: Balkon und Geschirr auf Maennerart putzen und zwar mit dem Hochdruckreiniger! […]