Siemens vs. Wikipedia

Siemens vs. Wikipedia

27. Mai 2006, 15:19 Uhr Für Nerds Halla

Und wieder einmal wagt sich ein Unternehmen ins Web 2.0, in das “Social Web”, in das Netz der Post-Hippies und der Protagonisten für freie Informationen und rennt dabei volles Rohr gegen die Wand. Getroffen hat es diesmal den Siemens-Konzern, dessen Mitarbeiter einen Wikipedia-Artikel über ihren obersten Cheffe Klaus Kleinfeld geschönt haben sollen, was verständlicherweise für gewaltigen Unmut bei den Nutzern und Machern der Wikipedia geführt hat.

Lt. Heise begannen Konzernmitarbeiter “einzelne Formulierungen zu entschärfen, komplette Absätze und Verweise zu streichen oder zu ergänzen, um ihren Chef in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. In der Siemens-Variante fiel so einfach der erste Halbsatz über die misslungene Sanierung des Handy-Geschäfts weg, auch von dem Aufgeld für BenQ war zeitweise nicht mehr die Rede. Parallel dazu gelang es Siemens, lobende Passagen über Kleinfelds Verdienste als US-Chef einzustreuen und die Behauptung zu tilgen, ihr Boss sei “neoliberal”.” (Heise.de)

Was mich dabei immer wieder wundert: Es muss den Mitarbeitern doch vollkommen klar sein, daß man das alles lückenlos zu ihnen zurückverfolgen kann, wenn solche Änderungen vom Arbeitsplatz-PC aus gemacht werden? Allein der Siemans-Proxy, der in den Logfiles auftaucht, ist doch unmöglich zu übersehen? Wenn man schon sowas macht, dann doch wenigstens per Modem von einer “normalen” ISDN- oder DSL-Leitung aus, die es in jedem Unternehmen gibt? Sowas ließe sich nicht mehr nachvollziehen. Das man einen derart einfachen Schritt nicht geht, läßt meiner Meinung nach nur die folgenden Schlüsse zu:

  • Die Verantwortliche Siemans-Mitarbeiter sind blöder als die Polizei erlaubt und schaffen es nicht mal, vor einer solchen Aktion Rücksprache mit der IT-Abteilung zu halten
  • Die Verantwortlichen wissen genau, wie verwerflich ihr Handeln ist und trauen sich deshalb nicht, bei der IT nachzufragen. Trotzdem sind sie zu dämlich, selbst auf die Idee mit der ISDN-Leitung zu kommen.
  • Die Verantwortlichen halten die Wikipedia-Admins für nicht in der Lage, ihre Logfiles zu lesen
  • Die Verantwortlichen sind so betriebsblind und so borniert, daß sie tatsächlich denken, das was sie da machen, ginge schon in Ordnung.

Tja, Siemens - Willkommen im Web 2.0, wo (noch!!) die Menschen die Hauptrolle spielen und nicht das Marketing-Gewäsch oder die Selbstdarstellung von Großkonzernen. Zumindest habt ihr einen fulminanten Einstieg hingelegt.


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