Meine Wochenend-Odysee

Meine Wochenend-Odysee

6. März 2006, 00:29 Uhr Ich und mein Martyrium Halla

Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, daß ich einen Zivi gebrauchen könnte, wenn ich abends unterwegs bin. Ansonsten passieren mir ständig irgendwelche saublöden Sachen…

Freitag war mal wieder so ein Tag bzw. Abend. Eine Freundin zieht beruflich bedingt nach München und hatte in eine Bar eingeladen, Abschied feiern. Nun gehöre ich zu den Menschen, die irgendwo ankommen, sich hinsetzen und erstmal die Taschen ausräumen müssen: Handy, Schlüssel, Portmonnaie, Kaugummis, früher noch Kippen+Feuerzeug usw. auf den Tisch (ja Ladies - das kann man auch alles ohne Handtaschen transportieren. Dann hat man zwar Beulen in der Hose, aber die habe ich … - ach lassen wir das).

Da ich an diesem Abend auch noch mit ein paar Freunden in einem anderen Club verabredet war, habe ich mich kurz vor Betriebschluss des RMV verabschiedet. Auf dem S-Bahnsteig dann die lapidare Durchsage: “Wegen Gleisbauarbeiten verzögert sich die Einfahr der S3 Richtung Frankfurt auf unbestimmte Zeit.” Gleisbauarbeiten? Nachts um 0:50 Uhr? Und was heißt da “auf unbestimmte Zeit”? Spacken. Da wußte ich wieder, weswegen ich den öffentlichen Nahverkehr für gewöhnlich meide wie der Teufel das Weihwasser. Also erstmal wieder zurück in die Bar und dann im Warmen das Transportproblem überdenken. Dort gabs ne schöne Überraschung: Ich hatte meinen Schlüssel liegenlassen. Ich dankte innerlich dem lieben Gott den Bauarbeitern des RMV.

Was das Transportproblem angeht: Da wir’s ja alle ganz dick haben, haben wir uns ein Taxi bestellt. Teurer, aber auch weniger zickig und schneller als der RMV. Wenige Minuten später waren wir dann am Ziel unserer Träume, vor dem leider eine ellenlange Schlange wartete und Einlass begehrte. Da meine Begleitung ohnehin über Hungergefühle klagte, habe ich darauf verzichtet, meinen VIP-Bonus auszuspielen und die Schlange zur Seite zu schicken, sondern bin mit in die Dönerkurve gegangen.

Die Dönerkurve ist ein wunderbarer Platz in Frankfurt-Sachsenhausen, in dem sich auf wenigen Metern etliche Dönerbuden, Pizzarien, Asiaten und diverse andere Läden befinden, allesamt fast 24/7 geöffnet (glaube zwischen 6:30 und 10:00 ist mal kurz Pause zum Putzen). Meine Begleitung zieht sich also einen Döner rein, Ayran und ein Becks obendrauf und dann ab in den Club.

Einige Stunden später kamen wir gegen halb sieben wieder raus aus dem Club - müde und ausgepowert. Und was hilft da besser aaaaaaals ein -na? wer ahnt es schon?- Döner?! Genau: Nichts! Also alle wieder zurück in die Kurve und gerade noch die letzten Leckerbissen bekommen, bevor sich die Besatzung der Spieße auf Ohr gehauen hat. Dann noch schnell zum Bäcker (fürs Mittagessen später) und ab zur S-Bahn. Wer sich jetzt um meine Ernährung Sorgen macht: Keine Anst, mein Magen ist trainiert und funktioniert vollkommen unabhängig von Tageszeit oder Nährwertgehalt, insbesondere bei Junkfood kann nichts schiefgehen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Als ich endlich satt und zufrieden früh am Morgen zuhause angekommen bin, wollte ich eigentlich nur noch in die Kiste. Nur: Mein Schlüssel war weg. Das ist so ziemlich das mieseste, was einem nach einer langen Nacht passieren kann, in die Tasche zu greifen und im selben Moment zu bemerken, daß das Ding weg ist. Fuck! Das war das erste, was mir einfiel. Fuck, Fuck, Fuck.

Was also tun, sprach Zeus? Mein Schlüssel könnte überall liegen, in der Bar, im Club, einer Dönerbude, einer S-Bahn, einem Taxi, auf der Straße - wasweißich. Zu allem Unglück war auch noch mein Mitbewohner über das Wochende bei seiner Freundin, also keine Chance ohne so einen Sch*&$§%-Schlüssel in die Wohnung zu kommen. Schlüsseldienst? Unmöglich, ich bin so pleite, ich könnte mir nicht mal die Anfahrt leisten. Schon gar nicht Samstag früh um 07:00. Also erstmal pennen, dann weitersehen. Nur wo? Um die Ecke von unserer WG wohnt ein Kumpel von mir - der hatte aber leider sein Handy aus. Außerdem bin ich als altes Einzelkind auch nicht gern auf andere angewiesen (Richtig - eher schneide ich mir die Zunge ab, als nach dem Weg zu fragen!).

In dem Moment fiel mir mein alter Seat vor der Tür auf: Ich hatte die Karre nicht abgeschlossen, der Kofferraum war zufällig offen. Da ich zur Uni über Landstraßen fahren muss, und im Prinzip damit immer damit rechne, irgendwo in der Walachai liegen zu bleiben, habe ich immer eine Decke im Auto. Was lag also näher, als einfach im Auto zu übernachten? Wenige Minuten später lag ich satt und hundemüde eingewickelt in meiner Decke auf der Rückbank und hab bis zum Mittag vor mich hin gedöst. Einziges Problem: Das Wetter. Draußen sah es nämlich SO aus…. Schon mal wach geworden und die Flasche Wasser vor euch war gefroren? Da kommt Freude auf!

Gegen Mittag hatte sich das mit dem Ausschlafen zwar (mehr oder weniger) erledigt, allerdings stand ich noch immer vor demselben Problem wie am Morgen: Ich kam nicht in meine verdammte Bude! Und besonders warm war mir auch nicht (Jetzt wißt ihr auch, weshalb es am Samstag nichts neues im Blog gab).

Also erstmal irgendwo unterkommen und die Lage checken. Bei meiner Trotteligkeit hätte ich eigentlich auch mein Handy verlieren müssen, aber das ist mir zum Glück erspart geblieben. Die WG meiner Ex-Freundin ist nicht weit von meiner WG meinem Auto entfernt, daher habe ich dort angerufen und Frühstück bestellt mich frech selbst eingeladen.

Um die Sache abzukürzen: Meine Ex ist z.Zt. um Urlaub, daher habe ich den Tag auf der Couch plaudernd mit ihrer Mitbewohnerin verbracht (Danke nochmals, Michi - You made my Day!) und ihr laufend versichert, daß es einem knallharten Typen wie mir (ich war früher mal bei den SEALs) nichts ausmacht bei -2° im Auto zu schlafen. Gegen Abend dann waren alle Stationen des Vor-Abends (Bar, Club, RMV, Döner etc.) durchtelefoniert und mein Schlüssel gefunden. Netterweise hatte meine Tagesmutter mich noch kurz in dem Laden vorbeigefahren, in dem ich das Sch%$&”-Teil verloren hatte und mich dann zuhause abgeliefert - nicht ohne mir eine Dusche nahe zu legen, die ich nach mehr als 24 Stunden on Tour und im Auto auch echt nötig hatte.

Achja - mein Schlüssel lag übrigens noch immer in der Bar vom Anfang der Story. Ich hatte ihn ein zweites Mal (!!) dort vergessen, als ich vom Bahnhof wiederkam. Manche Leute verdienen es einfach nicht anders brauchen einfach einen Zivi. Ihr dürft mich in den Kommentaren trösten.


10 Kommentare für “Meine Wochenend-Odysee”

  1. 1 Philipp Hormel schrieb am 6. März 2006 um 01:37 Uhr:

    So was ähnliches hab ich doch neulich erst gelesen :) Das muss wohl was mit dem Studienfach zu tun haben.

    http://freshsworld.com/blog/?p=19

  2. 2 Halla schrieb am 6. März 2006 um 01:45 Uhr:

    Ach Du Scheiße… und ich dachte schon, nur ich wäre mal wieder zu blöd um auf mich aufzupassen :-)

    Die Jungs sind im Gegensatz zu mir wenigstens noch in ihr Bett gekommen am Ende….

  3. 3 Torsten (taxi-blog.de) schrieb am 6. März 2006 um 09:15 Uhr:

    Kommt vor… Ich hatte mal nen “Stammkunden” den ich morgens auf dem Weg nach Hause zweimal mit folgendem Text beglückt habe: “Handy? Schlüssel? Geld?”. Einmal beim einsteigen ins Taxi, einmal vor der Haustür. Bevor ich dieses Ritual angefangen habe, fand ich regelmäßig sein Handy neben dem Sitz oder durfte nochmal zurück zur Disko, weil die Schlüssel noch auf der Theke lagen… Meine Fürsorge wurde übrigens mit anständigen Trinkgeldern gedankt!

  4. 4 cdog schrieb am 6. März 2006 um 09:33 Uhr:

    haaaha *lacht wie nelson*…hätte der schlüssel jetzt an einem anderen platz gelegen, wär die story nur halb so lustig, was aber immer noch lustig genug wäre! :-)

  5. 5 Halla schrieb am 6. März 2006 um 10:40 Uhr:

    @torsten: Es gibt wirklich Leute, die einfach nicht in der Lage sind, auf sowas zu achten. Ein Freund von mir gibt solche Dinge teilweise gleich zu Beginn des Abends seiner Freundin oder Freunden, weil er genau weiß, daß sonst etwas schrecklich schiefgehen kann.
    Übrigens ist ein Taxi wohl noch der beste Ort, sowas zu verlieren: Als ich beim RMV angerufen habe, hieß es nur, daß man mir vor Montag nicht helfen könne (soll ich solange im Auto schlafen oder was?) - Beim Taxi hätte mir die Zentrale sicher in wenigen Minuten geholfen…. Die wissen ja sicher irgendwie welcher Fahrer welchen Fahrgast wann wohin gebracht hat (vermute ich jetzt einfach mal so), und können den Fahrer gleich nochmal vorbeischicken :-)

    @cdog: Schön, daß ich Dich mit meinem Martyrium wenigstens zum Lachen bringen konnte :-)

  6. 6 Franky schrieb am 6. März 2006 um 12:32 Uhr:

    jo ich schmunzel ma mit aber ich darf ja auch siehe phillips beitrag.

    ja is echt kalt draussen nachts anfangs konnten wir dem ganzen auch noch ne lustige seite abgewinnen aber morgens um 5 uhr -38 grad und nur nem sakko an wars dann nich mehr ganz so lustig.

    tröst dich über unsere geschichte haben sich auch alle amüsiert hast du wenigstens wieder was, was du deinen enkeln erzählen kannst :D

    voller mitgefühl

    de franky

  7. 7 Torsten (taxi-blog.de) schrieb am 7. März 2006 um 09:00 Uhr:

    @Halla: Funksprüche der Art “Hat jemand eben eine Fahrt zur $Straße gemacht? Ja? Dann schau doch mal, ob hinten noch ein $Whatever drinliegt!” sind quasi Tagesgeschäft. Und das sofortige Hinterherbringen gehört natürlich auch dazu.

  8. 8 eichtown schrieb am 8. März 2006 um 16:46 Uhr:

    R-O-F-L
    sag mal Halla, das kann doch nicht wahr sein??? ;)

    als dein anwalt rate ich dir weniger von diesem adrenochrom aus meinem rasierset zu nehmen….die drogen machen dich noch kaputt ;-)

  9. 9 eichtown schrieb am 8. März 2006 um 20:17 Uhr:

    ach, und btw: du frisst einen döner _bevor_ du in einen club gehst???? der trend geht klar zum mundgeruch^^

  10. 10 Halla schrieb am 8. März 2006 um 22:42 Uhr:

    Nope - ich hatte nur das Becks :-)
    Mein Döner kam später.

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