Strategie von einem anderen Stern
29. August 2005, 15:58 Uhr Industrie? Anarchie! Halla
Mein Gott, auf welchem Stern lebt eigentlich die Musikindustrie?
iTunes funktioniert und erwirtschaftet 2% von Apples Gewinn. Die Leute sind tatsächlich bereit für legale Downloads zu bezahlen und akzeptieren das neue Vertriebsmodell. Wer hätte es gedacht? Was für den Computeraffinen Menschen schon lange kein Wunder mehr ist, das registriert man jetzt offensichtlich auch in den Vorständen der großen Major-Plattenlabels. Und hat zeitgleich auch schon die Dollarzeichen in den Augen stehen.
Lt. Golem sind der Musikindustrie 99 Cent /Download zu wenig. Stattdessen will man den Preis auf 1,49 Euro anheben. 99 Cent halte ich für einen fairen Preis und gleichzeitig auch für das maximal akzeptable, weil:
- Ich kaufe nur einen Track - keine ganze Maxi mit 3 oder 4 Tracks oder gar ein Album.
- Den Preis für den Traffic und die Distribution zahle ich, schließlich zahlt mir niemand die Verbindungsgebühren, die beim Download anfallen, darum muss ich mich selber kümmern.
- Ich bekomme “nur” eine Datei, keine CD o.ä., also nichts “greifbares”
- Will ich den Track auf eine CD brennen, zahle ich den Rohling selber. Vom Brenner und einem Computer mal ganz abgesehen.
- Ich bin in der Verwendung der Datei dank DRM eingeschränkt, ich kann damit nicht machen was ich will. Die Anzahl der Kopien ist beschränkt - teilweise selbst wenn ich die Datei auf meinen MP3-Player kopieren will.
Gute Gründe, weshalb mir ein Download nicht mehr als 99 Cent wert ist. Die Musikindustrie will ja neuerdings auch “Billig-Maxis” auf den Markt werfen: 2 Tracks auf CD für 2 Euro. So. Wenn ich für 2 Tracks auf CD 2 Euro zahle, wiso sollte ich dann 1,49 Euro für eine Datei zahlen?
Mit einer solchen Strategie zertritt man das zarte Pflänzchen des legalen Musikdownloads direkt wieder, anstatt es als Zukunftschance zu begreifen und zu fördern. Und alles nur für einen kurzfristigen Gewinn. Wiso ist das so schwer zu verstehen? Mir ist durchaus klar, das auch die Musikindustrie ein Wirtschats- und kein Wohlfahrtsunternehmen ist, und die Produkte nicht verschenken wird. Aber eine solche Preiserhöhung macht auch wirtschaftlich gesehen nicht den geringsten Sinn. Naja, doch, vielleicht für ein oder zwei Quartale. Solange wie die (neugewonnen) Kunden eben brauchen, um sich wieder ihre alte Filesharing Software zu installieren.





